15. Dezember 2017

Humanist kritisiert Plakat-Mission in Stuttgarter S-Bahn

Foto: Süddeutsche Plakatmission

Foto: Süddeutsche Plakatmission

(TS) Nach Ansicht von Thomas Häntsch machen sich „Besorgnis und Skepsis“ breit, weil die S-Bahn Stuttgart Missionierung in öffentlichen Verkehrsmitteln zuließe.

Die „evangelikalen Plakatbotschaften“ würden, so Häntsch, „die Aussicht aus den Fenstern der Stuttgarter S-Bahnen“ behindern.

Eine Recherche des Humanistischen Pressedienstes (hpd) habe ergeben, dass sich das „Netzwerk der Geldgeber nicht nur bis in den Deutschen Bundestag, sondern auch bis zur „World Evangelical Alliance“ erstrecke.

Der unter anderem auch für den hpd engagierte Fotograf und Journalist lobt in seinem Kommentar einerseits das sehr gut ausgebaute Bahnnetz, bemängelt aber andereseits den „durch Plakatbotschaften“ getrübten Ausblick. Die Plakate im Format 50×15 cm mit den Aufschriften

„Jesus Christus: Kommt alle zu mir, ich will eure Last abnehmen.“, „Bekehre Dich zu Deinem Gott!“ und „Wer meine Worte hört und danach tut, der ist klug.“

ließen schnell klar werden, „wer hier für was wirbt“. Auch der ausländische Fahrgast werde, „wenn er der deutschen Sprache mächtig ist“, erkennen, dass „ein religiöser Verein ungeniert in öffentlichen Verkehrsmitteln missionieren darf“. Jeder bekäme „unter die Nase geschmiert“, wer der „einzige und richtige Gott“ sei und „wer in Deutschland die weltanschauliche Vorherrschaft ausüben möchte“.

Häntsch habe herausgefunden, dass die Süddeutsche Plakatmission Teil der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Plakatmissionen in Deutschland (acpm) und diese wiederum der „Faden eines Netzwerkes“ sei, das sich „über die gesamte Republik“ erstrecke und den Namen „Die evangelische Allianz in Deutschland“ trage.

Sicher unbeabsichtigt macht der Pressemann mit seinem Kommentar Werbung für den christlichen Glauben. Denn er beschreibt zielgenau den Zweck der Mission und zitiert in diesem Zusammenhang den 1. Vorsitzenden der Süddeutschen Plakatmission e.V. Wolfgang Veil:

„Durch Verbreitung von Gottes Wort in verschiedenster Form Menschen zu Jesus Christus zu führen.“

„Eine global agierende Organisation mit Ästen bis hinein in die deutsche Politik“ stehe letztendlich – so Häntsch – für die Werbung in den Stuttgarter S-Bahnen. Der „Vormarsch fundamentalistischer Freikirchen“ finde weltweit statt und sei auch in Deutschland nicht zu übersehen. Anfragen an die Deutsche Bahn und die S-Bahn Stuttgart, wieso diese eine „derartige Werbung“ zuließen, seien inzwischen gestellt.