15. Dezember 2017

Bayern: Bischof würdigt religiöse Schätze von Juden, Christen und Muslimen

Quelle: idea.de

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: PR

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: PR

Tutzing (idea) – Die bürgerliche Gesellschaft braucht Juden, Christen und Muslime, die die Schätze ihrer Religion in den demokratischen Diskurs einbringen und dabei zur Kraft des Friedens werden.

Das erklärte der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München) beim Jahresempfang der Evangelischen Akademie Tutzing (Starnberger See) am 25. Januar. In seinem Vortrag „Braucht die Zivilgesellschaft die Kirche?“ sagte der Bischof, dass religiöse Orientierungen jeglicher Herkunft, die Gewalt gebieren und damit die Menschenwürde missachten, die Rede von Gott pervertierten. Gott sei der Schöpfer der Welt und wolle das Leben, nicht den Tod. Als Grundlage für einen ethischen Grundkonsens in der Gesellschaft bezeichnete Bedford-Strohm „das für die christliche Tradition zentrale Doppelgebot der Liebe: ‚Du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft und deinen Nächsten lieben wie dich selbst.’“ Eng in Verbindung mit dem Liebesgebot stehe die „Programmformel“ der Goldenen Regel: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch“. Laut Bedford-Strohm wäre es „eine Revolution für die politische Kultur in Deutschland, wenn in der Politik die jeweiligen Kontrahenten sich so anderen gegenüber verhielten, wie sie selbst auch behandelt werden wollten“. Andere Konsequenzen wären die notwendige Bereitschaft von Politikern zur Selbstkritik und mehr Verantwortung für die Schwachen.

Christliche Leitkultur muss bleiben

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte, die unter dem Begriff der Leitkultur zusammengefassten Überzeugungen und Werte nicht leichtfertig zugunsten der Beliebigkeit einer „Multi-Kulti“-Gesellschaft aufzugeben: „Unsere Verhaltensweisen, aber auch unser Rechtssystem sind vom christlichen Erbe geprägt.“ Für Hermann ist eine enge Partnerschaft zwischen Kirchen und Staat unverzichtbar. In Zeiten der Krise und des Umbruchs, der Globalisierung, der Beschleunigung und des technologischen Fortschritts seien die Kirchen als Kompass und Korrektiv unverzichtbar. Sie repräsentierten moralische und ethische Werte, die heute unentbehrlicher denn je seien.

Menschen helfen, auf Gott zu vertrauen

Nach Angaben des Akademiedirektors, Pfarrer Udo Hahn, gehört es zu den wichtigsten Zielen der Einrichtung, Menschen zu helfen, auf Gott zu vertrauen. Die Gesellschaft leide an einer Überforderung, die in eine Vertrauenskrise größten Ausmaßes einzumünden scheine. Alles werde in Frage gestellt, „was Menschen bislang als fest und sicher galt: Währung, Rechtsordnung, Demokratie“. Mit ihren spirituellen Angeboten wolle die Akademie Menschen befähigen, die Gesellschaft verantwortlich mitzugestalten. So setze sie sich für eine gerechte und solidarische Gesellschaft ein, in der Antisemitismus und Fremdenhass keinen Platz hätten.