23. Mai 2018

Türkei soll Christen und Juden enteigneten Besitz zügig zurückgeben

Quelle: idea.de

Nikolaus Schneider bei 150-Jahr-Feier der Kreuzkirche in Istanbul. Foto: idea/kairospress

Nikolaus Schneider bei 150-Jahr-Feier der Kreuzkirche in Istanbul. Foto: idea/kairospress

Istanbul (idea) – Die türkische Regierung soll enteigneten Besitz an christliche und jüdische Gemeinden zügig zurückgeben. Dafür hat sich der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), während seiner Türkeireise am 3. und 4. Dezember eingesetzt.

Er nahm an der 150-Jahr-Feier der evangelischen Kreuzkirche in Istanbul teil. „Nach wie vor sind die Besitzrechte an Kirchengebäuden und Grundstücken, auch für unsere deutschsprachige evangelische Gemeinde in Istanbul, rechtlich ungesichert“, sagte Schneider. Das im Sommer erlassene Restitutionsdekret solle schnell umgesetzt werden. In den letzten Monaten habe es eine Reihe positiver Entwicklungen gegeben, wie ihm Vertreter verschiedener Konfessionen in der Türkei berichteten. „Ich hoffe, dass dieser Weg der Religionsfreiheit und des konstruktiven Miteinanders zum Wohl der türkischen Gesellschaft sich fortsetzt“, so Schneider. Im Blick darauf, dass das Territorium der heutigen Türkei in der Bibel als Ort frühester christlicher Gemeinden genannt werde und wichtige Ereignisse der Christenheit in diesem Land stattgefunden hätten, mahnte Schneider:. „Christlicher Glaube und christliche Kirche wollen aber nicht nur Teil einer alten, vergangenen Geschichte sein, sondern auch – wenn auch fraglos unter sehr veränderten Bedingungen – wichtiger und bereichernder Bestandteil der Gegenwart dieses Landes und dieser Stadt.“

Griechisch-orthodoxes Priesterseminars seit 1971 geschlossen

Zum Reiseprogramm gehörte auch ein Treffen mit dem Ehrenoberhaupt der orthodoxen Kirche, dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. von Konstantinopel. Dabei habe Schneider zugesichert, die Bemühungen um Wiederöffnung des griechisch-orthodoxen Priesterseminars auf der Halbinsel Chalki aufmerksam zu begleiten. Obwohl dies in der Vergangenheit bereits mehrfach in Aussicht gestellt worden sei, sei die Ausbildungsstätte für Theologen noch immer geschlossen. Die türkischen Behörden hatten 1971 das Priesterseminar geschlossen. Seitdem kann kein geistlicher Nachwuchs mehr ausgebildet werden. Von den 72 Millionen Einwohnern der Türkei sind 95 Prozent Muslime. Die Zahl der Christen liegt bei 120.000, darunter sind etwa 4.000 Evangelikale.