25. April 2018

Türkei: Kirche im einstigen Nizäa in Moschee umgewandelt

Quelle: idea.de

Die Hagia-Sophia-Kirche in der südöstlich von Istanbul gelegenen Kleinstadt Iznik. Foto: PR

Die Hagia-Sophia-Kirche in der südöstlich von Istanbul gelegenen Kleinstadt Iznik. Foto: PR

Iznik/Frankfurt am Main (idea) – In der Türkei ist eine der ältesten Kirchen in eine Moschee umgewandelt worden. Von 1930 bis Mitte November war die Hagia-Sophia-Kirche in der südöstlich von Istanbul gelegenen Kleinstadt Iznik, dem früheren Nizäa, ein Museum.

In dieser Kirche fand 325 das erste Konzil von Nizäa statt, bei dem das vor allem in den Ostkirchen verbreitete Nizänische Glaubensbekenntnis formuliert wurde. Im 14. Jahrhundert wurde das Kirchengebäude zu einer Moschee umgebaut. Der Gründer der modernen Türkei, Kemal Atatürk (1881-1938), betrachtete die Kirche – ebenso wie die berühmtere Hagia-Sophia-Kirche in Istanbul – als Kulturdenkmal und gab ihr den Status eines Museums. Dies sollte religiösen Unfrieden zwischen Christen und Moslems verhindern. Im vergangenen November verfügte der stellvertretende Premierminister Bülent Arinc –ohne die Stadtverwaltung von Iznik zu kontaktieren –, dass der Bau wieder als Moschee genutzt werden dürfe. Der Politiker gehört der islamischen Regierungspartei AKP an.

Kritik von örtlichen Behörden und Menschenrechtlern

In Iznik stieß die Maßnahme auf heftige Kritik. Die Tourismusbehörde, die mit der Kirche um christliche Pilger wirbt, befürchtet einen Besucherrückgang. In der Stadt gebe es viele Moscheen, aber kaum Sehenswürdigkeiten. Der örtliche Oppositionschef Gürhan Akdogan nannte die Entscheidung einen „Handstreich von oben“. Auch das griechisch-orthodoxe Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel bedauert die Entscheidung der Behörden. Als Museum habe das Bauwerk allen Glaubensgemeinschaften offen gestanden. Der Referent für Religionsfreiheit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Walter Flick (Frankfurt am Main), bezeichnete die Umwandlung des Gebäudes als Verstoß gegen die türkische Verfassung und weiteren Schritt auf dem Weg zu einem islamischen Staat. Das Bemühen Atatürks um einen weltanschaulich neutralen Staat werde zunehmend missachtet, was bei den Beratungen über einen EU-Beitritt nicht unberücksichtigt bleiben könne, sagte Flick gegenüber idea.