16. Januar 2018

Iran: Zum Tode verurteilter Pastor soll hinter Gittern bleiben

Quelle: idea.de

Der wegen seines christlichen Glaubens zum Tode verurteilte iranische Pastor Youcef Nadarkhani. Foto: PR

Der wegen seines christlichen Glaubens zum Tode verurteilte iranische Pastor Youcef Nadarkhani. Foto: PR

Teheran (idea) – Der wegen seines christlichen Glaubens zum Tode verurteilte iranische Pastor Youcef Nadarkhani muss möglicherweise ein weiteres Jahr hinter Gittern ausharren.

Teheran (idea) – Der wegen seines christlichen Glaubens zum Tode verurteilte iranische Pastor Youcef Nadarkhani muss möglicherweise ein weiteres Jahr hinter Gittern ausharren. Der Vorsitzende des Justizwesens, Ayatollah Sadeg Laridschani, soll den Richter im Revisionsverfahren, Ghasi Kaschani, aufgefordert haben, sich Zeit zu lassen und den Pastor noch ein Jahr in Haft zu behalten, berichtet das US-Hilfswerk „Present Truth Ministries“ (Hopkins/Bundesstaat Minnesota). Der Grund: Nadarkhani solle dazu gebracht werden, zum muslimischen Glauben zurückzukehren. Das Hilfswerk sieht hinter der Verzögerungstaktik jedoch den Versuch, „den Fall der internationalen Aufmerksamkeit zu entziehen“. Der 35-jährige Leiter einer 400 Mitglieder zählenden christlichen Untergrundgemeinde war am 22. September 2010 wegen „Abfalls vom islamischen Glauben“ und der „Verbreitung nicht-islamischer Lehre“ zum Tode durch den Strang verurteilt worden. Das Urteil wurde im Juli vom Obersten Gericht bestätigt, aber noch nicht vollstreckt. Nach einer Welle internationaler Proteste wurde der Fall zur Revision an eine untere Instanz zurückverwiesen und dem höchsten religiösen Führer und Rechtsgelehrten, Ayatollah Ali Khamenei, zur Begutachtung vorgelegt.

Hunderttausende Christen bedroht?

Für Nadarkhanis Freilassung haben sich unter anderem US-Außenministerin Hillary Clinton, CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe und der Menschenrechtsausschuss des Bundestags ausgesprochen. Fast 200.000 US-Bürger haben sich mit ihrer Unterschrift für Nadarkhani eingesetzt. In Deutschland hat die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) mehr als 17.000 Unterschriften gesammelt. Sie befürchtet, dass bei einer Vollstreckung des Urteils Hunderttausende Christen im Iran vom Tode bedroht wären. In der Islamischen Republik ist das Religionsgesetz Scharia Grundlage der Rechtsprechung. Sie sieht die Todesstrafe für den „Abfall vom Islam“ vor. Von den 74,2 Millionen Einwohnern Irans sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Konvertiten zum christlichen Glauben wird auf 250.000 geschätzt. Ferner gibt es bis zu 150.000 meist orthodoxe armenische und assyrische Christen.