19. Januar 2018

Freikirchen: Bundesregierung setzt zu sehr auf Militär

Quelle: idea.de

Foto: s.media/pixelio.de

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Witten (idea) – Die Bundesregierung setzt nach Ansicht evangelischer Freikirchen zu sehr auf militärische Gewalt und vernachlässigt gewaltfreie Lösungen bei internationalen Konflikten. Zudem würde zu viel Waffen exportiert.

An den Schulen gerate die Friedenserziehung durch Kooperationsvereinbarungen mit der Bundeswehr ins Hintertreffen. Das beklagt die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Verteidigungsminister Lothar de Maizière (beide CDU) und Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP). Darin heißt es: „Statt Wege der Gewaltfreiheit zu beschreiten, hat Deutschland begonnen, sich an Kriegshandlungen zu beteiligen.“ Für die Bundesregierung erschienen Überlegungen zu einer gewaltfreien, nachhaltigen Konfliktbearbeitung und –lösung zweitrangig. Vorrang bekämen stattdessen „Strategien zur eigenen Wohlstandssicherung unter Anwendung von Gewalt und die Einbindung ziviler Organisationen in ein militärgestütztes System ‚vernetzter Sicherheit’“. Die VEF bedauert, dass Impulse der Friedensbewegungen wenig berücksichtigt würden.

Gefährlich: Kooperation von Bundeswehr und Schulen

Ferner erheben die Freikirchen den Vorwurf, dass an den Schulen die Akzeptanz einer Sicherheitspolitik erreicht werden solle, die den Einsatz militärischer Gewalt als „selbstverständlich“ vorsehe. Dadurch entstehe bei Schülern der Eindruck, dass Gewalt auch für ihre eigenen alltäglichen Streitigkeiten ein angemessenes Mittel sei. Das stehe aber „in krassem Widerspruch zu unseren Vorstellungen einer Friedenserziehung, wie wir sie in der Nachfolge Jesu Christi verstehen“. Wörtlich heißt es: „Wir sehen die dringende Notwendigkeit, dass unsere Kinder und auch wir als Gesellschaft nicht zum Krieg, sondern zum Frieden erzogen werden müssen.“ Der Brief ist unterzeichnet vom VEF-Präsidenten, Präses Ansgar Hörsting (Witten) vom Bund Freier evangelischer Gemeinden, und vom Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland, Frieder Boller (Ingolstadt). Die Arbeitsgemeinschaft zählt zu den Mitgliedern der VEF. Die durch Gewaltfreiheit und Feindesliebe bekannten Mennoniten sind nach dem friesischen Theologen Menno Simons (1496-1561) benannt.

VEF streicht Beratung für Kriegsdienstverweigerer

Wie die VEF weiter mitteilt, beendet sie ihre Beratungsangebote für Kriegsdienstverweigerung und Zivildienst. Begründet wird der Schritt mit der Aussetzung der Wehrpflicht. Damit entfällt auch der zivile Ersatzdienst für Wehrdienstverweigerer. Allerdings können weiterhin auch Soldaten der Bundeswehr den Kriegsdienst verweigern. Zur VEF gehören zehn Kirchen und Gemeindebünde als Vollmitglieder und vier als Gastmitglieder. Die Vereinigung vertritt nach eigenen Angaben etwa 260.000 Gemeindemitglieder.