22. November 2017

Was der CDU-Führung das „C“ bedeutet

Quelle: idea.de

Foto: CDU/Laurence Chaperon

Foto: CDU/Laurence Chaperon

Berlin (idea) – Was bedeutet den Vorstandsmitgliedern der CDU das „C“ im Parteinamen? Diese „Hausaufgabe“ hat die Parteivorsitzende, Bundeskanzlerin Angela Merkel, gestellt. Ergebnis ist ein Büchlein mit 50 Voten christdemokratischer Bundes- und Landespolitiker.

Als erste äußert sich die Parteichefin. Die Tochter eines evangelischen Pfarrers schreibt, dass christliche Werte ihr Orientierung und Verwurzelung geben. Sie schärften den Blick für das Wesentliche, machten Mut und setzten der Politik Grenzen: „Der Glaube hilft, die Sorgen der Mitmenschen zu erkennen und eine Verpflichtung zum Handeln zu fühlen.“ Für Merkel hat der Glaube auch eine beruhigende Wirkung, „weil klar ist, dass der Mensch nicht vollkommen ist und man gegenüber Fehlern – denen der Mitmenschen und den eigenen – toleranter wird. Das macht vieles leichter.“ Das Wesen christdemokratischer Politik zeige sich daran, dass sie sich allen Menschen verpflichtet wisse und nicht nur einzelnen Gruppen. Leitwort dafür sei die Mahnung des alttestamentlichen Propheten Jeremia: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s auch euch wohl“ (Jeremia 29,7).

Kauder: Beziehung zu Gott leitet mein Leben

Zwischen einer persönlichen Beziehung zu Gott, „die mein Leben leitet“, und seiner politischen Arbeit unterscheidet der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder. Christsein bedeute für ihn, sich täglich neu zu entscheiden, in seinem Leben Jesus Christus nachzufolgen. Für die Politik sei das christliche Menschenbild maßgeblich, für das die freie Entfaltung der Person wesentlich sei. Der Staat habe jedem Bürger Freiräume zu ermöglichen und diese zu schützen. Er habe kein Recht zu gängelnden Vorschriften, etwa in der Familienpolitik. Eine besondere Verantwortung trügen Christen für Verfolgte: „Wir dürfen nicht zulassen, dass eine ganze Region wie der Nahe und Mittlere Osten zur christenfreien Zone gemacht wird.“

Gröhe: Jeder Tag beginnt mit den Losungen

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe teilt mit, dass er jeden Tag mit dem Lesen der Herrnhuter Losungen beginnt – je einem Bibelvers aus dem Alten und Neuen Testament. Dies helfe, „unsere Orientierung an Wertvorstellungen, die sich ganz wesentlich dem christlichen Glauben verdanken, bei der Gestaltung heutiger Lebensverhältnisse zur Entfaltung zu bringen“. Skeptisch äußert sich Gröhe gegenüber einer „allzu großer Selbstgewissheit“ mancher Christen. Ein „Nichts ist gut in Afghanistan“, wie es die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann in ihrer Neujahrspredigt 2010 formuliert hatte, „vermag wohl der schwierigen Lage am Hindukusch so wenig zu entsprechen, wie es ein ‚Alles ist gut in Afghanistan’ könnte“. Auch bei Fragen des Lebensschutzes könne mitunter Schweigen besser sein als „die Selbstsicherheit, die einzig denkbare christliche Position zu vertreten“.

Rachel: Kirche ist kein Gegenüber zur Politik

Der Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerin Thomas Rachel, lehnt es ab, sich bei politischen Entscheidungen auf besondere geistliche Autoritäten zu berufen, etwa die Verlautbarungen eines Bischofs, ein Synodenwort, eine Denkschrift „oder gar der vermeintlich direkte Rückgriff auf den Wortlaut der Bibel selbst“. Die Kirche sei für die Politik kein Gegenüber, da nach evangelischem Verständnis jeder Christ ein mündiges Mitglied der Gemeinde Jesu Christi sei und sich vor Gott verantworten müsse. Christdemokraten sollten sich aber deutlich zu den christlichen Quellen und Traditionen Deutschlands bekennen, anstatt in ein Sonntags-Christentum zu verfallen.

Lieberknecht: Mut zur Umkehr

Die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht berichtet von der christlichen Prägung durch ihr Elternhaus und ihrem Vertrauen zu Jesus Christus, das sie zu einem furchtlosen Leben befreit habe. Maßstab seien die Zehn Gebote und die Aussagen des Neuen Testaments: „Wem es gelingt, sein Leben danach auszurichten, lebt ohne Zweifel ein zufriedenes und gerechtes Leben. Ich bemühe mich darum.“ Zu den christlichen Tugenden zählt Lieberknecht, die vor ihrer politischen Laufbahn Pfarrerin war, den Mut zur Umkehr. Diesen habe die CDU beispielsweise bei ihrer Entscheidung gegen eine Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken in Deutschland bewiesen. Allerdings werde Umkehr in der Politik oft als Niederlage angesehen. Lieberknecht schließt ihren Beitrag mit einem Segenswunsch.