20. August 2017

Die Angst geht um beim 24. Parteitag der CDU in Leipzig

Foto: Thomas Schneider

Foto: Thomas Schneider

Es ist Montag, 8:30 Uhr. Die Temperatur draußen: um die Null Grad. Die Sonne hat´s schwer durchzukommen.

Zu Dritt stehen wir im Foyer des Congress Centers Leipzig und warten auf unsere CDU-Freunde von der „Aktion Linkstrend stoppen“ (ALs). Ein Mann um die Vierzig rast schnurstracks auf uns. Ohne uns zu fragen, wer wir sind und warum wir uns im CCL aufhalten, fordert er uns mit Nachdruck auf, das Haus zu verlassen. Er sei hier der Sicherheitschef, dürfe nur angemeldeten CDU-Mitgliedern Zutritt gewähren und müsse, falls wir seiner Aufforderung nicht nachkämen, von seinem Hausrecht Gebrauch machen. Will heißen: Rausschmiss. Wir sind nicht willkommen.

ALs-Sprecher Michael Nickel im Interview mit dem ZDF - Foto: Thomas Schneider

ALs-Sprecher Michael Nickel im Interview mit dem ZDF - Foto: Thomas Schneider

„Sie dürfen da nicht rein!“
8:50 Uhr: Der ALs-Pressesprecher Michael Nickel kommt mit unseren anderen CDU-Freunden. Wir gehen zur Anmelderezeption. – Einige Tage vor dem Parteitag habe ich mich in der Berliner CDU-Zentrale wegen einer kurzfristig entschlossenen Teilnahme erkundigt. „Kein Problem“, meinte die freundliche Dame am Telefon; „Gehen Sie am Montag einfach zur Gästeanmeldung und sagen Sie dort, dass Sie mit uns gesprochen haben.“ – Blauäugig gehe ich zum Tresen mit dem Hinweisschild „Gäste“. Eine kleinwüchsige Dame mit finsterem Blick verlangt meinen Personalausweis, geht nach hinten und schleudert mir dann die Nachricht ins Gesicht: „Sie dürfen da nicht rein!“.

Ein unansehnlicher Papierfetzen verschafft Zutritt
Einem ungescholtenen Bürger, CDU-Kreisrat und stellvertretenden CDL- Landesvorsitzenden wird der Zutritt zur Veranstaltung seiner Partei verwehrt. Will so etwa die CDU künftig Mitglieder, Freunde und Sympathisanten werben? Und: Sollte nicht jedem interessierten und engagierten Bürger die Tür offen stehen? – Zum ausgesprochenen Zutrittsverbot verweigert die Dame in Stasi-Manier jede Aussage. Da ich nicht locker lasse, will sie meinen CDU-Mitgliedsausweis sehen. – Den habe ich noch nie gebraucht (!), finde ihn dann schließlich noch im hintersten Fach meiner Geldbörse und lege ihn auf den Empfangstisch. Diesen unansehnlichen Papierfetzen könnte sich jeder Terrorist auf seinem Computer selbst herstellen, um sich Zugang zur Veranstaltung zu verschaffen. – Ohne sich den „Ausweis“ näher anzuschauen, verschwindet die unfreundliche Aufseherin plötzlich. Vielleicht schaltet sie ja ihren Computer ein, um mich vom Verfassungsschutz überprüfen zu lassen. Dass ich CDU-Mitglied bin, hätte sie ganz einfach über das Partei-Datenstamm-Programm im Intranet finden können.

Foto: Thomas Schneider

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700 Orangen: „Links-CDU ist doch krank!“
Nach und nach reisen die Parteitags-Delegierten an. Unter dem Motto „Für eine gesunde Volkspartei“ verteilen wir 700 Orangen mit dem Banderolen-Spruch „Links-CDU ist doch krank!“ Erstaunlich viele CDU-ler sind von dieser genialen Idee begeistert: „Konservativ? Sehr gut!“ – „Links? Nicht mit mir! – „Wie kann man mit euch Kontakt aufnehmen? Ich mache mit!“

Mülleimer statt Tafel
Doch die Freude sollte nicht lange währen. Schon am Eingang wandern die meisten Orangen, kurzerhand vom „Sicherheitschef“ als „gefährliche Wurfobjekte“ eingestuft, im Mülleimer. Komisch nur, dass dann im Ausstellungsbereich vor dem Plenarsaal Äpfel verteilt werden. – Nickel spricht die Bundeskanzlerin auf die „Vernichtungsaktion“ ihrer Sicherheitsleute an. Ergebnis: Die Verantwortlichen müssen die Orangen ersetzen und an die Leipziger Tafel spenden. Dennoch landen nun einige hundert Orangen auf einer Deponie.

ALs-Unterstützer Marc Schneider im Interview mit dem Lokalradio der Uni Leipzig - Foto: Thomas Schneider

ALs-Unterstützer Marc Schneider im Interview mit dem Lokalradio der Uni Leipzig - Foto: Thomas Schneider

Merkel & Co trauen den eigenen Mitgliedern nicht mehr
Alles in allem: Die Angst geht um beim 24. Parteitag der CDU in Leipzig. Merkel & Co trauen den eigenen Mitgliedern nicht mehr und vermuten hinter jedem Engagement, das nicht in die Linie passt, einen terroristischen Akt. Damit schafft sich die CDU ganz sicher keine Freunde. Wenn sich die einst christlich-konservative Volkspartei mittelfristig von ihren linken Spielchen nicht verabschiedet und sich auf ihre Wurzeln besinnt, werden ihr bald noch viel mehr „Getreue“ den Rücken kehren. (Thomas Schneider)