18. August 2017

Charismatische Frömmigkeit kommt von Afrika nach Europa

Quelle: idea.de

Der Direktor des Evangelischen Missionswerks (EMW), Christoph Anders. Foto: idea/kairospress

Der Direktor des Evangelischen Missionswerks (EMW), Christoph Anders. Foto: idea/kairospress

Magdeburg (idea) – In Afrika breitet sich das Christentum pfingstkirchlich-charismatischer Prägung rasant aus.

Auch ein „Wohlstandsevangelium“, das eine Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen ins Zentrum stellt, findet vielfach Anklang. Durch die Migration wandert die lebendige und farbenfrohe Form des afrikanischen Christentums auch nach Europa aus. Vor allem in Ballungsräumen entstehen Migrantengemeinden, die meist pfingstkirchlich oder charismatisch geprägt sind. Das hat Auswirkungen auf das Leben der hiesigen evangelischen Kirchen, stellt der Direktor des Evangelischen Missionswerks (EMW), Christoph Anders (Hamburg), in seinem Bericht für die EKD-Synode in Magdeburg fest. Themen wie Heilung, geistliche Kampfführung mit Dämonenaustreibungen und andere Formen der Befreiung und Loslösung von bösen Kräften zögen sich als Phänomene durch das Leben vieler afrikanischer Kirchen hindurch. Die traditionellen Missionskirchen seien meist anders geprägt. In Afrika finde vielfach die These Anklang, dass sie Christen hervorgebracht hätten, die zwischen europäischer Theologie und afrikanischer Lebenswirklichkeit pendeln. Hingegen sei die Auseinandersetzung mit dem Bösen sowie mit Krankheit und Heilung eine an afrikanischen Lebenswelten angepasste Version des Christentums.

Wenn „Erweckte“ ausgeschlossen werden

In einigen Partnerkirchen des EMW werde versucht, charismatische Elemente zu integrieren, doch blieben Spannungen. Manche Kirchen- und Gemeindeleitungen hätten „Erweckte“ oder „Erneuerer“ ausgeschlossen, anderenorts hätten diese selbst ihre Kirche verlassen und eigene Versionen ihrer Heimatkirchen gegründet oder sich anderen Kirchen angeschlossen. Es gebe aber Anzeichen dafür, dass zumindest in einem Teil der charismatischen Bewegung und der Pfingstkirchen die Notwendigkeit einer Qualifizierung der theologischen Ausbildung erkannt werde und man bereit sei, mehr Gemeinsamkeiten mit den Traditionskirchen zu suchen. Anders geht davon aus, dass die pfingstkirchlich-charismatische Bewegung das am stärksten wachsende Segment der weitweiten Christenheit bleibt. Angesichts der zunehmenden Zahl von Migrationsgemeinden seien auch hiesige Kirchen und Freikirchen mit der Frage konfrontiert, inwieweit ihre Verkündigungsformen und Frömmigkeitspraxis Raum für charismatische Erwartungen gebe. Unter dem Dach des EMW sind zwölf Missionswerke, die EKD, fünf Freikirchen und fünf Verbände zusammengeschlossen.