18. November 2017

Wie viel „C“ braucht die CDU?

Quelle: idea.de

Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel (CDU). Foto: PR/Christoph Kiess

Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel (CDU). Foto: PR/Christoph Kiess

Berlin (idea) – Die Debatte um den Kurs der CDU wird heftiger: Zwei Organisationen in der Partei haben die Kritik des ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Erwin Teufel (CDU), bekräftigt. Der 71-Jährige hatte bei einer Veranstaltung der Senioren-Union in Berlin das mangelnde christliche Profil seiner Partei gerügt. Ihre Stammwähler könnten nicht mehr sagen, worin die Alleinstellungsmerkmale und Kernkompetenzen lägen. Deshalb sei der Anteil der CDU bei Wahlen auf ein Drittel der Wählerstimmen zusammengeschmolzen.

Teufel plädierte dafür, den christlichen Charakter der Partei zu stärken: „Die CDU muss sich künftig am ‚C’ orientieren oder es aufgeben. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht. Die CDU darf das ‚C’ jedoch nicht am Schilde führen, wenn sie sich nicht an ihm orientiert.“ Auf Anfrage von idea erklärte der Bundesvorsitzende der Senioren-Union, Prof. Otto Wulff (Schwerte), Teufel spreche mit seiner Kritik vielen Parteimitgliedern aus dem Herzen. Man müsse das „C“ wieder deutlicher ansprechen, als dies zuletzt der Fall gewesen sei. Wulff: „Wir haben nicht mehr den Mut, zum ‚C’ zu stehen.“ Die Christdemokraten müssten „wieder die Klappe aufmachen“ und ihre Überzeugungen vertreten. Das mangelnde Profil der CDU habe andere Parteien wie „Bündnis 90/Die Grünen“ stark gemacht. Wulff: „Die anderen sind so stark, weil wir schlapp machen.“ Zugleich warnte Wulff davor, Teufels Kritik allein auf Bundeskanzlerin Angela Merkel zu beziehen. Die Kritik gelte nicht einzelnen Personen, sondern der gesamten Partei. Mit 57.000 Mitgliedern ist die Senioren-Union die zweitstärkste Bundesvereinigung der CDU.

CDL: „C“ wird zur Mogelpackung

Auch die Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL), Mechthild Löhr (Schloßborn bei Frankfurt am Main) teilt Teufels Kritik. Dieser kenne die CDU sehr gut und lege den Finger in die Wunde. Es sei nicht mehr klar, was die CDU zusammenhalte. Das „C“ im Namen werde zunehmend als „Mogelpackung“ verwendet. So sei es nicht akzeptabel, dass im Juni ein Drittel der Bundestagsabgeordneten für die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) gestimmt hätten. Es werde unterschätzt, dass CDU-Wähler sehr viel konservativer seien als die Parteiführung. Dadurch nehme die Bindung von Mitgliedern und Stammwählern ab. Löhr forderte ihre Partei dazu auf, das Parteiprogramm wieder ernst zu nehmen, etwa den Schutz des menschlichen Lebens. Löhr: „Wo bleibt in der CDU die Empörung über mindestens 110.000 Abtreibungen pro Jahr? Wo bleibt die Empörung über sinkende Kinderzahlen? Wo bleibt der besondere Schutz von Ehe und Familie gegenüber homosexuellen Lebensformen?“

Lesen Sie auch:
„Ich schweige nicht länger“