19. November 2017

In Deutschland werden Kinder knapp

Quelle: idea.de

Statistisches Bundesamt: Der Rückgang setzt sich fort. Foto: Pixelio/Sunny33

Statistisches Bundesamt: Der Rückgang setzt sich fort. Foto: Pixelio/Sunny33

Berlin/Wiesbaden (idea) – Kinder sind eine Gabe Gottes, sagt die Bibel (Psalm 127,3). Doch die Deutschen verschmähen dieses Geschenk in zunehmendem Maße.

In den ersten 10 Jahren des 21. Jahrhunderts ist die Zahl der Kinder um 13,8 Prozent gesunken. Im Jahr 2000 lebten 15,2 Millionen Minderjährige in deutschen Haushalten; im Jahr 2010 waren es noch 13,1 Millionen. Diese Zahlen hat das Statistische Bundesamt (Wiesbaden) am 3. August auf einer Pressekonferenz in Berlin präsentiert. Wie Präsident Roderich Egeler erläuterte, seien Kinder „das Wertvollste einer Gesellschaft“. Ihr Ergehen bestimme in hohem Maße die Zukunftsfähigkeit eines Landes. Nach seinen Worten wird der Anteil der Kinder weiter sinken. Im Jahr 2000 habe dieser noch 18,8 Prozent betragen; 2010 waren es 16,5 Prozent, und bis 2030 werde dieser Wert voraussichtlich auf 15 Prozent sinken.

Minus im Osten größer als im Westen

Laut Egeler entwickelt sich die Situation im Westen und Osten unterschiedlich. In Westdeutschland sei die Zahl der Kinder zwischen 2000 und 2010 um etwa 10 Prozent auf 11 Millionen Kinder gesunken. Viel größer sei der Rückgang in Ostdeutschland: Im Jahr 2010 gab es dort knapp 29 Prozent weniger Kinder als zehn Jahre zuvor. Auch hinsichtlich der Familienstrukturen unterscheiden sich West- und Ostdeutschland: Während 2010 im Westen 79 Prozent der Kinder bei ihren verheirateten Eltern lebten, betrug der entsprechende Anteil in Ostdeutschland 58 Prozent. Hier war der Anteil der Kinder in Lebensgemeinschaften mit 17 Prozent fast drei Mal so hoch wie im Westen mit 6 Prozent. 24 Prozent der ostdeutschen Kinder wohnten bei einem alleinerziehenden Elternteil, im früheren Bundesgebiet waren es 15 Prozent.

Kinder nicht stärker armutsgefährdet

Bei etwas mehr als der Hälfte (51 Prozent) der minderjährigen Kinder in Paarfamilien in ganz Deutschland waren beide Eltern berufstätig, bei 38 Prozent war es nur ein Elternteil, und 11 Prozent der Kinder lebten in Paarfamilien, bei denen weder Vater noch Mutter erwerbstätig war. Je jünger Kinder sind, desto häufiger geben insbesondere Mütter ihre Erwerbstätigkeit vorübergehend auf: So waren nur noch bei 28 Prozent der Kinder unter 3 Jahren beide Elternteile berufstätig. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind Kinder in Deutschland nicht stärker armutsgefährdet als der Durchschnitt der Bevölkerung. So waren im Jahr 2008 15,5 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Für Kinder lag die Quote bei 15 Prozent.

Mehr Betreuungsplätze für die Kleinsten

Das Angebot an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren in einer Kindertageseinrichtung oder durch eine Tagesmutter beziehungsweise einen Tagesvater ist in den letzten Jahren gestiegen. 2006 betrug die Betreuungsquote 14 Prozent, am 1. März 2010 waren es 23 Prozent. Um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, bis 2013 insgesamt 750.000 Betreuungsplätze für Kleinkinder zur Verfügung zu stellen, müssen bis noch rund 280.000 Plätze zusätzlich geschaffen werden. Die Angaben beruhen hauptsächlich auf dem Mikrozensus 2010, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Deutschland und Europa.