21. September 2017

Wie stehen Christen zu Harry Potter?

Quelle: idea.de

Mitternacht 1. Oktober 2005, Auslieferung des sechsten Bandes von Harry Potter - Foto: Paul-Georg Meister  / pixelio.de

Mitternacht 1. Oktober 2005, Auslieferung des sechsten Bandes von Harry Potter - Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de

Los Angeles (idea) – Der neue Harry-Potter-Film entwickelt sich weltweit zum Kassenschlager. Die achte und letzte Verfilmung der Fantasy-Romanreihe der britischen Autorin Joanne Kathleen Rowling bricht alle bisherigen Rekorde. Er hat am Startwochenende Mitte Juli weltweit 337 Millionen Euro eingespielt.

2009 hatte es „Harry Potter und der Halbblutprinz“ auf 278 Millionen Euro gebracht. Den aktuellen Streifen „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil II“ sahen in Deutschland vom 14. bis 17. Juli rund 1,6 Millionen Menschen. Unter Christen gehen die Meinungen weit auseinander: Während die einen in dem Stoff Anregungen zur Auseinandersetzung mit dem Glauben entdecken, warnen andere vor der Propagierung von Magie und Hexerei. Die Autorin hat sich nach eigenen Angaben auch vom christlichen Glauben inspirieren lassen. Sie habe eigene Glaubenskämpfe verarbeitet.

Katholischer Filmkritiker findet nichts Schlimmes

Im letzten Teil der Filmreihe treffen die Mächte von Gut und Böse zum Entscheidungskampf aufeinander. Der katholische Filmkritiker Gaetano Vallini kann nichts Schlimmes in dem Spielfilm entdecken. Nirgends werde das Böse attraktiv oder faszinierend dargestellt; vielmehr würden Freundschaft und Verzicht als hohe Werte gehandelt, schreibt er in der Vatikan-Zeitung L’Osservatore Romano (Rom). Die Schüler des Zauberinternats Hogwarts seien erwachsen geworden und kämpften einen wirklichen Krieg gegen das Böse. Allerdings sei die Atmosphäre des Films „beinahe zu dunkel“.

US-Theologin: Magie ist Gott ein Gräuel

Eine völlig andere Sicht vertritt die US-amerikanische Theologin Danielle Tumminio von der Universität Yale (New Haven/Bundesstaat Connecticut). Die 30 Jahre alte anglikanische Pfarrerin nimmt Anstoß an der Propagierung von Zauberei. Sie könne „Harry Potter“ keinesfalls empfehlen. In einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN verweist Tumminio darauf, dass Magie und Zauberei in der Bibel durchweg ablehnend bewertet würden. So heiße es in 5. Mose 18,10-11, dass Zauberei, Geisterbeschwörungen und Totenbefragungen Gott ein Gräuel seien. Im Galaterbrief (Kapitel 5,19-21) werde vor Zauberei in einer Reihe mit Lastern wie Unzucht und Götzendienst gewarnt.

Zauberei als „alternativer Problemlöser“

Magie wird laut Tumminio heute als „alternativer Problemlöser“ angesehen und sei an vielen Stellen des Lebens anzutreffen, etwa in Wirtschaft, Politik und auch den Kirchen. Doch das Wort Gottes sehe jegliche Form von Magie – ob schwarz oder weiß – als böse an. Christen brauchten keinen Schutz durch Satan. Gott habe ihn in Jesus besiegt, und Gottes Engel seien stärker als die bösen Geister des Teufels. Hexen und Zauberer seien „Wölfe in Schafskleidern“.

Katholische Autorin übt scharfe Kritik

Scharfe Kritik an den Harry-Potter-Büchern hatte früher schon die katholische Soziologin und Buchautorin Gabriele Kuby (Rimsting am Chiemsee) geübt. „Harry Potter ist ein globales Langzeitprojekt zur Veränderung der Kultur“, schreibt sie im 2003 erschienenen Buch „Harry Potter – gut oder böse?“ Weiter stellt sie fest: „Mit der Verharmlosung von Magie dringen die Kräfte in die Gesellschaft ein, die das Christentum einst überwunden hat.“