22. September 2017

Türkei: Debatte über „christlichen Terror“

Quelle: idea.de

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Foto: PR

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Foto: PR

Ankara (idea) – Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan fordert eine Debatte über „christlichen Terror“ in Europa. Anlass ist das Massaker vom 22. Juli in Norwegen.

Der mutmaßliche Attentäter Anders Behring Breivik (32) sei ein „guter Christ und Tempelritter und gleichzeitig ein Terrorist“, so der Regierungschef. Laut Presseberichten ist er verärgert darüber, dass bei Anschlägen meist sofort der Verdacht auf angebliche „islamistische Terroristen“ gelenkt werde. Gestützt wird Erdogan vom türkischen Parlament. Ein Ausschuss soll die „Islamophobie“ (zwanghafte Furcht vor dem Islam) in der EU untersuchen. Damit reagieren die türkischen Volksvertreter auf Bewertungen der Menschenrechtslage in der Türkei durch europäische Politiker. Immer wieder wird dabei die eingeschränkte Religionsfreiheit für Minderheiten, besonders Christen, bemängelt. Dies sei ein Hindernis für einen Beitritt des Landes in die EU.

Breivik gegen „Multikulti“

Der mutmaßliche norwegische Attentäter Breivik, der 77 Menschen auf dem Gewissen hat, bezeichnet sich in einem 1.500 Seiten starken Manifests selbst als Christ; ist aber im Widerspruch dazu Mitglied einer Freimaurerloge. Er verfolgt das Ziel einer Revolution gegen die multikulturelle Gesellschaft, den Islam und den Kommunismus. Nach Angaben des Generalsekretärs des Norwegischen Rates für Mission und Evangelisation, Rolf Ekenes (Oslo), ist Breivik keinesfalls ein Evangelikaler oder Pietist. Wie Ekenes betont, sei die schreckliche Bluttat unvereinbar mit christlichem Gedankengut und christlicher Ethik. Wenn Breivik sich als Christ bezeichne, so wolle er sich damit von einer muslimischen oder anders gearteten Kultur abgrenzen.