23. September 2017

Sudan: Probleme für Christen im Norden

Quelle: idea.de

Arbeitsmigranten aus dem Süden verlieren Staatsangehörigkeit.

Arbeitsmigranten aus dem Süden verlieren Staatsangehörigkeit.

Khartum (idea) – Nach der Unabhängigkeit des Südsudans drohen der christlichen Minderheit im Norden staatliche Probleme. Das Parlament des radikal-islamisch regierten Nordsudans hat ein Gesetz verabschiedet, das eine doppelte Staatsangehörigkeit verbietet.

Das bedeutet, dass alle Südsudanesen, die in den Norden kommen, nicht als Staatsangehörige anerkannt werden. Wie Radio Vatikan berichtet, wird die Maßnahme wirksam, sobald sich ein Sudanese sich um die Nationalität des Südsudan bewirbt. Flüchtlinge und Arbeitsmigranten aus dem Süden verlieren damit ihre Staatsangehörigkeit. Die Entscheidung betrifft etwa eine Million Menschen aus dem Südsudan, die im Norden leben. Viele von ihnen sind Christen. Sie befürchten, dass das islamische Religionsgesetz, die Scharia, durchgesetzt wird. Seit Oktober 2010 sind etwa 360.000 Südsudan aus Angst vor Repressionen in ihre Heimat zurückgekehrt. Den neuen Staat Südsudan stellt die Flüchtlingswelle vor große Probleme.

Bürgerkrieg mit zwei Millionen Todesopfern

Am 9. Juli wurde der Südsudan unabhängig. General Salva Kiir Mayardit übernahm als Präsident das höchste Staatsamt. Von den knapp 8,3 Millionen Einwohnern gehören die meisten zur katholischen oder anglikanischen Kirche. Hinzu kommen Anhänger von Naturreligionen. Der Bildung des Staates war ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg vorausgegangen, in dem muslimische Milizen der Zentralregierung den christlich-naturreligiös geprägten Süden zu islamisieren versuchten. Dabei kamen über zwei Millionen Menschen um; sieben Millionen wurden vertrieben. In einem Friedensabkommen im Jahr 2005 wurde die Schaffung der Republik Südsudan vereinbart. Für den neuen Staat votierten bei einer Volksabstimmung im Januar fast 99 Prozent der Wähler. Vor der Abspaltung des Südens hatte der Sudan rund 36 Millionen Einwohner; davon waren fast zwei Drittel Muslime. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (Niederlande) hat vor zwei Jahren einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Staatspräsidenten Omar al Baschir wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgestellt.