13. Dezember 2017

Sudan: Ex-Muslimin wegen „Christianisierung“ inhaftiert

Quelle: idea.de

Hawa Abdalla Muhammad Saleh ist „Gefangene des Monats Juli“. Foto: PR

Hawa Abdalla Muhammad Saleh ist „Gefangene des Monats Juli“. Foto: PR

Frankfurt am Main/Wetzlar (idea) – Als „Gefangene des Monats Juli“ haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea die sudanesische Christin Hawa Abdalla Muhammad Saleh benannt und zur Unterstützung für sie aufgerufen.

Sie wurde am 6. Mai von Angehörigen des Geheimdienstes in dem Dorf Abu Shouk in der Provinz Darfur festgenommen. Mehrere Tage später brachte man sie in die sudanesische Hauptstadt Khartum. Dort ist sie bis heute an einem unbekannten Ort inhaftiert. Hawa Abdallah arbeitet als Übersetzerin für die UNAMID-Friedensmission in dem Binnenflüchtlingslager in Abu Shouk (Darfur). UNAMID wird gemeinsam von den Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union verantwortet. Auf der staatlichen sudanesischen Internetseite wurde die vom Islam zum Christentum übergetretene Frau beschuldigt, Kinder in Flüchtlingslagern „in großem Umfang zu christianisieren“ und Verbindungen zu einer bewaffneten Oppositionsgruppe in Darfur zu unterhalten.

Todesstrafe wegen Apostasie?

Der IGFM zufolge besteht der Hauptvorwurf gegen die Christin darin, ihren Glauben zu verbreiten. Bei einer Verurteilung könne ihr wegen Abfalls vom Islam die Todesstrafe drohen. In Artikel 126 des sudanesischen Strafgesetzbuches heißt es: „Wer die Abkehr vom Islam propagiert oder ihm mit Worten oder einer eindeutigen Handlung öffentlich abschwört, macht sich der Straftat Riddah (Apostasie) schuldig.“ Bereits im Jahr 2009 war Hawa Abdallah laut IGFM vorübergehend inhaftiert und gefoltert worden. Die Organisation und idea rufen dazu auf, in Briefen an den sudanesischen Staatspräsidenten Omar Hassan Ahmad Al Bashir darum zu bitten, die Inhaftierte sofort freizulassen und für ihre Sicherheit zu sorgen. Der Sudan habe im „Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte“ die Religions- und Meinungsfreiheit sowie das Recht auf Religionswahl anerkannt. Von den rund 36 Millionen Einwohnern des Sudan sind 65 Prozent Muslime. Die 24 Prozent Christen und 11 Prozent Anhänger von Naturreligionen leben meist im Südsudan, der am 9. Juli ein eigenständiger Staat wird.