21. September 2017

Pakistan: Regierung schafft Ministerium für religiöse Minderheiten ab

Quelle: idea.de

Erster Minister der Behörde war der Katholik Shahbaz Bhatti, der Anfang März von Islamisten ermordet wurde. Foto: Flickr

Erster Minister der Behörde war der Katholik Shahbaz Bhatti, der Anfang März von Islamisten ermordet wurde. Foto: Flickr

Vatikanstadt/Islamabad (idea) – Die pakistanische Regierung hat das Ministerium für religiöse Minderheiten abgeschafft. Im Rahmen einer Umstrukturierung wurde es zum 1. Juli aufgelöst, berichtet Radio Vatikan (Vatikanstadt).

Erster Minister der Behörde und zugleich einziger Christ im pakistanischen Kabinett war der Katholik Shahbaz Bhatti. Er trat für eine Änderung des strittigen Blasphemie-Gesetzes in Pakistan ein, das häufig als Vorwand dient, um Christen wegen vermeintlicher Lästerung des Propheten Mohammed anzuklagen. Anfang März war er von Islamisten ermordet worden. Die Kompetenzen des Ministeriums werden jetzt dezentralisiert, so dass künftig die Regionalparlamente über Minderheiten in ihrem Gebiet entscheiden. Die Christen des Landes fürchten nun erneut Gewalt und Verfolgung. Wie Shahid Mobeen, pakistanischer Dozent an der Päpstlichen Lateranuniversität, gegenüber Radio Vatikan sagte, verspricht diese Entscheidung nichts Gutes: „Wir wissen ja, dass die Minderheiten die schwächste Kraft sind, in sozialer wie wirtschaftlicher Hinsicht. Mit dem Bundesministerium hatten die Minderheiten eine Vertretung im Parlament, auf nationaler Ebene, im Kabinett. Der zuständige Minister versuchte die Rechte der Minderheiten zu verteidigen und ihren Schutz auszubauen. Das wird in der landesweiten Politik jetzt nicht mehr möglich sein.“ Von den 174 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen, zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen.