16. Dezember 2017

Nach Norwegen-Attentat Fundamentalismusdebatte neu entfacht

Foto: Gerd Altmann  / pixelio.de

Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

In einem Beitrag der „Frankfurter Allgemeine FAZ.NET“ kommentiert Reinhard Bingener: „Als christlicher Fundamentalist kann Anders Breivik nicht gelten. Das ihm vorschwebende, ideale Christentum hat für ihn keinen religiösen Zweck, sondern vor allem den, als kulturelle Klammer für ein wehrhaftes Abendland zu dienen“.

„Etwas unbeholfen“ habe die norwegische Polizei den Attentäter von Oslo, Anders Breivik, als „christlich-fundamentalistisch“ beschrieben. Die Freimaurerei, auf die sich der Mehrfachmörder beziehe, sei strikt auf das Diesseits gerichtet und „in fast allen ihren Facetten feindlich gegen die Kirche eingestellt“, so der Kommentator.

Breivik selbst habe zu diesem Thema geschrieben, dass er an eine Kirche glaube, „die an Selbstverteidigung glaubt und die bereit ist zum Kampf für ihre Prinzipien und Werte“.

Vergleicht man den eher nüchternen und sachlichen Kommentar in der säkularen FAZ mit den Erklärungsversuchen des württembergischen Landesbischofs Frank Otfried July in einem heute erschienenen Interview in der „Schwäbischen Post“, bleiben neben Stirnrunzeln viele Fragen.

July bekennt: „Glaube darf… kein falsches Bibelverständnis haben.“
Was aber versteht der Bischof unter einem „falschen Bibelverständnis?“

Auf die Frage, ob er als Bischof mit fundamentalistischen Gruppierungen im Gespräch sei, die es „auch in oder im Umfeld der württembergischen Landeskirche“ gäbe, zieht July mit der Antwort „Ich würde jetzt den württembergischen Pietismus nicht als Fundamentalismus bezeichnen“ eine fragwürdige Grenzmarkierung.

Bedeutet das nun, dass alle Christen, die an die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift glauben, aber sich nicht zum württembergischen Pietismus zählen, gewaltbereite Fundamentalisten sind?

Der Aufruf des württembergischen Landesbischofs an die evangelischen Kirchen, gegen „christlichen Fundamentalismus“ vorzugehen, ist ernst zu nehmen. Erstens: weil ein Fundamentalismusverdacht gegen alle ausgesprochen wird, die Gott und seinem Wort umfassendes Vertrauen schenken. Zweitens: weil sich die Evangelische Kirche das Recht herausnimmt, das wahre Bibelverständnis zum Glauben an Jesus Christus zu definieren. Das aber steht dem Heiland und Retter der Welt in seiner Souveränität ganz allein zu. (Thomas Schneider)