22. September 2017

„Gorch-Fock“-Artikel: Autor weist Kritik von de Maizière zurück

Quelle: jungefreiheit.de

Aktuelle Ausgabe des „Marineforums“, in dem der kritisierte Artikel erschien Foto: JF

Aktuelle Ausgabe des „Marineforums“, in dem der kritisierte Artikel erschien Foto: JF

BERLIN. Im Streit um einen Artikel in der Verbandszeitschrift der Marine-Offiziers-Vereinigung über die Rolle von Frauen in der Bundeswehr hat der Autor Erik Lehnert die Kritik von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) scharf zurückgewiesen. De Maizière hatten den im Marineforum erschienen Beitrag als „widerwärtig“ bezeichnet und in eine Reihe mit linken Verunglimpfungen gefallener und verwundeter Soldaten gestellt. Angeblich sei in dem Artikel die im November 2010 auf der „Gorch Fock“ tödlich verunglückte Kadettin verhöhnt worden.

Für Lehnert, Geschäftsführer des Instituts für Staatspolitik und selbst Reserveoffizier, ein Schlag ins Gesicht: Er sei „ehrlich entsetzt“ über diese Wortwahl, schrieb er in einem Brief an de Maizière. „Ich habe immer wieder meine Freizeit, über die ich als fünffacher Familienvater (unter anderem von drei Töchtern) nur sehr knapp verfüge, geopfert, um meinem Land zu dienen.“ Als Bürger, Offizier und Wissenschaftler sehe er es als seine Pflicht, auf Mißstände hinzuweisen.

„Nüchterner Blick auf die Wirklichkeit“

Er bitte de Maizière daher dringend, seine Aussage zu korrigieren, da diese ihn in die Nähe linksextremistischer Verächter von Staat und Bundeswehr rückten. Im Gegensatz zu diesen wolle er staatliche Institutionen aber nicht schwächen, sondern durch „den nüchternen Blick auf die Wirklichkeit widerstandsfähig machen“.

In dem Artikel mit dem Titel „Gleichstellung um jeden Preis?“ hatte sich Lehnert kritisch mit dem „Einsatz von Frauen in Kampfeinheiten“ auseinandergesetzt hatte.

Der Beitrag ist eine Zusammenfassung der vom IfS im März herausgegebenen Studie „Die Frau als Soldat“. Eine Verhöhnung der verunglückten Kadettin findet sich darin allerdings an keiner Stelle. Im Gegenteil: Die Offiziersanwärterin sei vielmehr das Opfer einer Gleichheitsideologie, die 2001 auch Einzug in die Bundeswehr gehalten habe, schreibt Lehnert.

Deutschland berücksichtigt Untersuchungen nicht

Diese negiere die physischen Unterschiede und die damit verbundenen Leistungsdifferenzen zwischen Männern und Frauen. Studien der amerikanischen Streitkräfte hätten zweifelsfrei ergeben, daß Frauen „meßbare Nachteile in Bezug auf Kraft und Ausdauer, Verwundungs-/ Verletzungsgefahr und Einsatzfähigkeit“ aufwiesen. In Deutschland aber lasse man sich von solchen Ergebnissen nicht beeinflussen.

Während es gemeinhin als unmenschlich gelte, „sechzehnjährige Jugendliche oder sechzigjährige Männer in den Kampf zu schicken, da diese körperlich den Anforderungen des Schlachtfelds noch nicht oder nicht mehr gewachsen sind“, werde es als fortschrittlich gepriesen, „Frauen ohne Rücksicht auf ihre offensichtlichen Nachteile im Kampf einzusetzen“, kritisierte Lehnert. (krk)

> Studie: Die Frau als Soldat. Der Gorch-Fock-Skandal, Minister zu Guttenberg und der Einsatz von Frauen in den Streitkräften.