21. September 2017

Erziehung: Wo sind Kleinkinder am besten aufgehoben?

Quelle: idea.de

Foto: pixelio.de / Franz Mairinger

Foto: pixelio.de / Franz Mairinger

Berlin/Frankfurt am Main (idea) – Was ist besser: Kleinkinder zwischen einem und drei Jahren in eine Krippe zu geben, damit Mutter oder Vater erwerbstätig bleiben kann, oder eine berufliche Auszeit zu nehmen und sie in der Familie zu betreuen? Darüber gehen die Meinungen je nach Interessenlage auseinander.

Die Bundesregierung will den Ausbau der öffentlichen Betreuungseinrichtungen mit zwölf Milliarden Euro – davon vier Milliarden aus dem Bundeshaushalt – massiv vorantreiben. Ab 2013 soll die Betreuung für Jungen und Mädchen unter drei Jahren so gut ausgebaut sein, dass jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz hat. Gleichzeitig sollen Eltern, die ihre Kleinkinder zu Hause selbst betreuen, ab 2013 monatlich 150 Euro erhalten – gegebenenfalls als Bildungsgutschein. Der Betrag wird nur ausgezahlt, wenn Eltern ihre Kinder nicht im Kindergarten anmelden oder anders fremd betreuen lassen. Damit will die schwarz-gelbe Bundesregierung die Erziehungsleistung von Müttern und Vätern belohnen. Gerade dieses Vorhaben stößt aber in der Öffentlichkeit auf heftige Kritik. So wird daran gezweifelt, dass das Betreuungsgeld den Kindern zugute kommt. Einkommensschwache Eltern würden durch den finanziellen Anreiz animiert, ihre Kinder nicht in eine Kita zu schicken, heißt es.

Elterliche Erziehung missachtet

Gewerkschaften und Arbeitgeber – normalerweise Kontrahenten – sind sich im Nein zum Betreuungsgeld ausnahmsweise einig. Das wiederum empört den Verband der Familienfrauen und –männer (vffm/Frankfurt am Main). Zwar sind auch sie nicht grundsätzlich gegen Kinderkrippen, aber mit ihrer Ablehnung des Betreuungsgeldes missachteten der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) die elterliche Erziehung. Das schreibt der Vorstand der vffm in einer Pressemitteilung vom 18. Juli.

„Karrierechancen verschlechtern sich“

Anlässlich einer Bundestagsanhörung hatten DGB und BDA am 4. Juli gemeinsam dafür plädiert, die Mittel für das Betreuungsgeld von etwa 1,9 Milliarden Euro pro Jahr in den Krippenausbau zu investieren. Diese Förderung widerspreche dem Ziel, die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu erhöhen, Müttern den beruflichen Wiedereinstieg zu erleichtern und den Frauenanteil in Führungspositionen zu steigern. „Die Karrierechancen verschlechtern sich, wenn Eltern über längere Zeit nicht erwerbstätig sind“, heißt es.

„Bildungspolitische Katastrophe“

Für die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock (CDU) wäre die Einführung eines Betreuungsgeldes „eine bildungspolitische Katastrophe“. Alexander Gunkel von der Hauptgeschäftsführung der BDA meinte, ein Betreuungsgeld setze Fehlanreize: „Wir können uns die Förderung langer familienbedingter Auszeiten nicht leisten, wenn wir den Fachkräftemangel reduzieren, Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen abbauen und mehr Frauen in Führungspositionen bringen wollen.“

Heer billiger Arbeitskräfte

Demgegenüber sind die Motive für das Nein von BDA und DGB für die Familienfrauen und -männer klar: Die Arbeitgeber wünschten sich ein Heer von billigen Arbeitskräften, und der DGB vertrete die Interessen der Beschäftigten in Kinder-Betreuungseinrichtungen. Diese erhielten einen weit höheren Monatslohn als die vorgeschlagenen 150 Euro für die Eltern. Nach deren Wünschen oder dem Wohl der Kinder fragten weder BDA noch DGB.

Erziehungskompetenz der Eltern gefährdet

Um ihre wahren Absichten zu verschleiern, behaupteten sie, dass die Krippenbetreuung von Kindern zwischen einem und drei Jahren die Intelligenz fördere. Dafür gebe es aber in der Fachliteratur keine Hinweise. Allerdings schnitten die bei der sozialen Kompetenz oft in Krippen aufgewachsenen Kinder in den östlichen Bundesländern schlechter ab als die gleichen Jahrgänge im Westen, wo die Elternbetreuung stärker verbreitet ist. Fazit des vffm: „Wenn immer mehr Geld, das eigentlich den Familien zusteht, auf öffentliche Einrichtungen umgeleitet wird, muss das die Erziehungskompetenz der Familien zunehmend gefährden, ohne dass die Familie als Erziehungsinstanz durch staatliche oder kirchliche Einrichtungen gleichwertig ersetzt werden kann.“