24. September 2017

Britischer Medienskandal – Kirche rügt unmoralischen Journalismus

Quelle: idea.de

Der 80-jährige Medienmogul Rupert Murdoch. Foto: Wikipedia/David Shankbone

Der 80-jährige Medienmogul Rupert Murdoch. Foto: Wikipedia/David Shankbone

London (idea) – Ein Medienskandal ungeahnten Ausmaßes erschüttert Großbritannien bis in höchste politische Kreise. Auch die anglikanische Kirche von England erwägt aus ethischen Gründen Konsequenzen. Journalisten von Boulevardblättern sollen Telefonate abgehört und Polizisten mit Schmiergeld bestochen haben, um an Informationen über das Privatleben von Spitzenpolitikern und anderen Prominenten zu kommen.

Unter anderem sollen sie sich 2006 die Krankenakte des drei Monate alten Sohns von Ex-Premier Gordon Brown beschafft haben und damit an die Öffentlichkeit gegangen sein. James Fraser Brown leidet an der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose. Der 80-jährige Medienmogul Rupert Murdoch erwägt jetzt Presseberichten zufolge, alle Zeitungen seiner Gruppe News International zu verkaufen. Dazu gehören neben dem bereits am 10. Juli geschlossenen Boulevardblatt „News of the World“ auch die „Sun“, die „Sunday Times“ und die „Times“. Regierung und Opposition wollen jetzt verhindern, dass Murdochs Medienkonzern News Corp. den Bezahl-Fernsehsender BskyB komplett übernimmt, an dem er derzeit mit 39 Prozent beteiligt ist.

„Moralisch verwerflich und unethisch“

Die Kirche von England hat 3,8 Millionen Pfund (4,3 Millionen Euro) bei News Corp. angelegt. Ihr Ethikbeirat für Investitionen hat jetzt angekündigt, das Kapital abzuziehen, falls der Konzern keine „vollständige und offene Untersuchung“ des Abhörskandals durchführt. Das Verhalten der Journalisten von „News of the World“, die Tausende Anrufbeantworter abgehört und Polizisten geschmiert haben sollen, sei „moralisch verwerflich und unethisch“. Man habe auf das Schreiben an News Corp. noch keine Antwort erhalten, teilte der kirchliche Medienreferent Lou Henderson der ökumenischen Nachrichtenagentur ENInews mit. Die Schließung des Blattes „News of the World“ sei keine ausreichende Reaktion auf die Enthüllungen über das Fehlverhalten ihrer Journalisten.

Symbolische Wirkung durch Kirche

Die Kirche von England hält zwar nur einen winzigen Anteil an dem Medienkonzern, dessen Kapitalwert bisher auf fast 23 Milliarden Euro geschätzt wurde. Aber ein Rückzug der Kirche hätte eine starke symbolische Wirkung auf die Wirtschaft. Im Februar 2010 hatte die Kirche ihr Kapital von 3,6 Millionen Pfund (4 Millionen Euro) aus dem Bergbauunternehmen Vedanta abgezogen, nachdem dieses sich geweigert hatte, von Plänen für einen Bauxit-Tagebau im Niyamgiri-Gebirge im indischen Bundesstaat Orissa Abstand zu nehmen. Insgesamt hat die Kirche von England etwa fünf Milliarden Pfund (5,7 Milliarden Euro) in Aktien angelegt.