19. September 2017

Anschläge in Norwegen. Was trieb den Täter an?

Quelle: idea.de

Foto: flickr / johsgrd

Foto: flickr / johsgrd

Oslo (idea) – Mit Entsetzen und Trauer reagieren die Kirchen weltweit auf die Anschläge in Norwegen, denen am 22. Juli mindestens 91 Menschen zum Opfer fielen.

Unklar ist welche Motive den oder die mutmaßlichen Täter antrieben. Am 22. Juli hatte eine Bombenexplosion im Regierungsviertel von Oslo sieben Menschenleben gefordert. Wenige Stunden später erschoss ein als Polizist verkleideter Mann mindestens 84 Teilnehmer eines Jugendlagers der norwegischen Jungsozialisten auf der Insel Utoya nahe der Hauptstadt. Als Tatverdächtiger wurde der 32-jährige Norweger Anders B. (32) festgenommen. Die Polizei ist sich aber nicht sicher, ob er allein für beide Bluttaten verantwortlich ist; sie sucht nach einem weiteren Verdächtigen. Eindeutige Erkenntnisse über B’s Motive gibt es bisher nicht. Interneteinträge lassen darauf schließen, dass er zur rechtsradikalen nationalistischen Szene zu rechnen ist. Er gilt als Kritiker der Islamisierung und einer multikulturellen Gesellschaft. In Medienberichten wird er auch als „fundamentalistischer Christ“ beschrieben, doch seine Interneteinträge lassen ein wirres Gemisch religiös-politischer Einstellungen erkennen. Zu seinen Vorlieben gehören gewalttätige Computerspiele, Jagdlust und Freimaurerei. Daher ist er zumindest kaum der evangelikal-pietistischen Frömmigkeit zuzuordnen.

EKD-Ratsvorsitzender: Nichts kann Blutbad rechtfertigen

Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), zeigte sich „tief erschüttert von den brutalen Gewalttaten“. Schneider: „Nichts und niemand kann solche Anschläge rechtfertigen, keine politische oder religiöse Lehre können Begründung sein für dieses Akt kaltblütigen Mordens.“ In den evangelischen Gottesdiensten in Deutschland am 23. Juli würden die Betroffenen und das norwegische Volk in die Fürbitte eingeschlossen, so der EKD-Ratsvorsitzende. Schockiert reagierte auch der der aus Norwegen stammende Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Olav Fykse Tveit (Genf). Sein Heimatland habe nie da gewesenes, schreckliches Ausmaß an Gewalt erlebt. Der lutherische Pfarrer befindet sich zurzeit in Norwegen. Er hatte gerade die Hauptstadt Oslo verlassen, als sich die Bombenexplosion im Regierungsviertel ereignete. Dabei starben sieben Menschen.

ÖRK bittet um weltweites Gebet

Wie Tveit weiter erklärte, sei er schockiert darüber, dass die zentralen Institutionen der Demokratie sowie unschuldige, politisch interessierte Jugendliche angegriffen worden seien. In dieser Zeit des Schocks und der Trauer benötige das norwegische Volk die Solidarität der Weltgemeinschaft und die Gebete der Christenheit. Im Vordergrund stünden die Familien der Opfer. Tveit rief die 349 evangelischen, orthodoxen und anglikanischen Mitgliedskirchen des ÖRK mit über 560 Millionen Mitgliedern in 110 Ländern auf, für Norwegen vor Gott einzutreten. Sein Gebet sei, dass die Norweger weiterhin eine offene, friedliebende Gesellschaft bilden. Tveit: „Wir wollen einstehen für eine Welt, in der Gerechtigkeit und Frieden herrschen, „ohne Hass und Rache, sondern mit den Werten der Demokratie, der Achtung der Würde und Rechte jedes Menschen. Alle sind als Ebenbilder Gottes geboren.“

Lutherische Bischöfin: Anschläge gehen alle an

In ganz Norwegen öffnen die Kirchen ihre Pforten, um Gelegenheit zu Gebet und Trauer zu geben und den Menschen Gemeinschaft und Trost anzubieten. Die leitende Bischöfin der lutherischen Staatskirche, Helga Haugland Byfuglien (Oslo), sagte, die Anschläge gingen alle an. Unschuldige Jugendliche und Erwachsene seien von sinnloser Gewalt getroffen worden. Von den 4,9 Millionen Einwohnern Norwegens gehören 82 Prozent zur lutherischen Staatskirche. Angehörige evangelischer Freikirchen machen 3,7 Prozent aus. Ferner gibt es 1,1 Prozent Katholiken, 1,6 Prozent Muslime und kleinere Gruppen anderer Religionen. Der Rest sind Konfessionslose.