11. Dezember 2017

Volker Kauder kritisiert Umgang der Türkei mit christlicher Minderheit

Quelle: idea.de

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Volker Kauder. Foto: PR/Werner Schüring

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Volker Kauder. Foto: PR/Werner Schüring

Konstanz (idea) – Kritik am Umgang der Türkei mit ihrer christlichen Minderheit übt der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Volker Kauder.

Dem Bekenntnis der türkischen Regierung, dass alle Religionen Platz hätten, müssten nach wie vor auch Taten folgen, sagte Kauder der in Konstanz erscheinenden Tageszeitung „Südkurier“. Nach seinen Beobachtungen betreibt die Türkei unverändert eine „Politik der Austrocknung der christlichen Wurzeln“. So werde immer noch keine Priesterausbildung zugelassen. Einem Jahrhunderte alten Kloster wie Mor Gabriel, dem geistlichen Zentrum der syrisch-orthodoxen Kirche im Gebiet Tur Abdin (Berg der Gottesknechte) im Südosten der Türkei, werde Land streitig gemacht. „Das geht nicht“, so Kauder. Die Religionsfreiheit dürfe in der Türkei nicht nur auf dem Papier stehen. Dem Politiker zufolge gibt es nur wenige Länder, in denen der Islam anderen Religionen erlaube, sich frei zu entfalten. Der Grund sei, dass islamisch geprägte Länder häufig keine echte Trennung zwischen der Religionsgemeinschaft und dem Staat kennen.

Die Kraft der Religion

Auf die Frage, warum er sich für Religionsfreiheit einsetze, antwortete Kauder, dass ein Politiker, für den das christliche Menschenbild Richtschnur sei, für die Achtung der Menschenrechte eintreten müsse. Dazu gehöre auch die Religionsfreiheit. Als Christ fühle er, so Kauder, eine besondere Verpflichtung, seinen Glaubensbrüdern und -schwestern beizustehen. Ihn erschütterten Berichte von verfolgten Christen, die wegen ihres Glaubens Jahre in einem stickigen Containergefängnis verbringen mussten. Zugleich bewundere er den Mut, den diese Menschen aus ihrem Glauben schöpften. Als Beispiel nannte Kauder den katholischen Bischof in der chinesischen Millionenstadt Schanghai, Aloysius Jin. Der über 90-Jährige habe ihm von eigenem Leiden während der Kulturrevolution und von der derzeitigen scharfen Überwachung der Kirchen berichtet. Trotz ihrer Stärke habe die chinesische Regierung vor dem Papst im fernen Rom Angst. „Da ist mir wieder bewusst geworden, welche Kraft Religion haben kann“, sagte Kauder.