22. September 2017

Vietnamesischer Pastor ist Gefangener des Monats Juni

Quelle: idea.de

Pastor Chinh wird seit 20 Jahren vom kommunistischen Regime drangsaliert. Foto: PR

Pastor Chinh wird seit 20 Jahren vom kommunistischen Regime drangsaliert. Foto: PR

Frankfurt am Main/Wetzlar (idea) – Als „Gefangenen des Monats Juni“ haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea den vietnamesischen Pastor Nguyen Cong Chinh benannt und zu seiner Unterstützung aufgerufen.
 

Der 42 Jahre alte Vater von vier Kindern wird nach Angaben der IGFM seit über 20 Jahren drangsaliert. Am 28. April wurde er wegen „Untergrabung der Solidaritätspolitik“ in seiner Heimatstadt Pleiku verhaftet. Chinh verleiht verfolgten Christen aus den ethnischen Minderheiten eine Stimme. Er steht der Evangelischen Bruderschaft ethnischer Völker Vietnams vor, eines Zusammenschlusses evangelischer Hauskirchen im zentralvietnamesischen Hochland. Die kommunistische Regierung sieht die Minderheiten als Bedrohung an. Der IGFM zufolge ist Chinh bereits seit 1988 ins Visier des Staatsicherheitsdienstes geraten. Damals begann er, sich für diskriminierte Christen einzusetzen. 2008 zog er eine Bilanz der Repressalien: Seit 20 Jahren lebe er ohne Personalausweis; er sei 286 Mal verhört, 19 Mal körperlich angegriffen, sechs Mal verhaftet und 56 Mal aus der Wohnung ausgewiesen worden. Zweimal sei sein Haus, das als Kapelle diente, dem Erdboden gleich gemacht worden. Man habe bei ihm 259 Bibeln, zwei Motorräder und vier Handys beschlagnahmt. Chinh wird von der Regierung nicht als Geistlicher anerkannt. Staatlich kontrollierte Medien warfen ihm vor, er betreibe Propaganda, um „gegen die Volksregierung und die Sozialistische Republik Vietnam zu opponieren“. Die IGFM fordert die sofortige Freilassung Chinhs, weil er lediglich von seinem Recht auf Religions- und Meinungsfreiheit Gebrauch mache.

Christliche Erweckung im Volk der Hmong

Unterdessen berichtet das US-Hilfswerk „Vision Beyond Borders“ (Vision jenseits der Grenzen) mit Sitz in Bozeman (Bundesstaat Montana), dass Angehörige des Volks der Hmong an der nordvietnamesischen Grenze mit Hubschrauber angegriffen werden. Die Regierung wolle Demonstrationen für Menschenrechte unterdrücken. 63 friedliche Demonstranten seien getötet worden. Unter den Hmong gebe es eine christliche Erweckung. Der Bedarf an Bibeln sei groß. 100 Christen stehe durchschnittlich ein Exemplar der Heiligen Schrift zur Verfügung. Über 550.000 Hmong leben in Vietnam, weitere in Südchina und Laos. Unter ihnen hat sich der christliche Glaube ausgebreitet. Von den knapp 91 Millionen Einwohnern Vietnams sind 54 Prozent Buddhisten, 22 Prozent Atheisten und 8 Prozent Christen, meist Katholiken. 1,8 Prozent sind evangelisch. Weitere 8 Prozent gehören Stammesreligionen an.