21. September 2017

„Über Wunder spricht man nicht – da hofft man drauf“

Quelle: idea.de

Samuel Koch im ZDF-Gespräch mit Peter Hahne. Foto: ZDF/Michael Kramers

Samuel Koch im ZDF-Gespräch mit Peter Hahne. Foto: ZDF/Michael Kramers

Nottwil (idea) – „Ich bin noch weich gelandet, auch wenn es nicht so aussieht.“ Das sagte der querschnittsgelähmte Samuel Koch am 26. Juni in der ZDF-Talksendung des Moderators Peter Hahne (Berlin).

Der 23-Jährige hatte am 4. Dezember in der ZDF-Show „Wetten, dass …?“ versucht, mit Sprungfedern an den Füßen über fahrende Autos zu springen. Dabei stürzte der bekennende Christ und verletzte sich schwer an der Halswirbelsäule. Die Sendung wurde aus der Rehabilitationsklinik im schweizerischen Nottwil (bei Luzern) ausgestrahlt, in der Koch behandelt wird. Auf die Frage, ob er sich auch in dieser Situation in der Hand Gottes wisse, antwortete Koch: „Ich atme, also auf jeden Fall.“ Andere Patienten mit ähnlichen Verletzungen seien auf eine künstliche Beatmung angewiesen.

Große Freude am kleinen Zeh

Koch ist von den Schultern an gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen, den er mit einer Schulter steuern könne. In den Händen empfinde er eine Tiefensensibilität, sagte Koch. Differenziert äußerte er sich mit seiner gesundheitlichen Entwicklung. „Ich kann zumindest glücklich sagen, dass bisher der Heilungsverlauf zu keinem Zeitpunkt stagniert hat.“ Die Heilung gehe allerdings langsam voran, „so langsam, wie ich mir das nie vorstellen konnte.“ Deshalb brauche er Geduld. Kürzlich habe er bei einem Familienbesuch einen Zeh entdeckt, den er wieder bewusst ansteuern kann. Da sei die ganze Familie tanzend und singend ums Bett gelaufen. Die Beziehung zu seiner Familie sei seit dem Unfall näher und emotionaler geworden und habe ihm sehr geholfen – wie auch die Anteilnahme sehr vieler Menschen, Gebete und das Lesen in der Bibel.

Verzweifelte Momente

Nach seinem Glauben an Wunder gefragt, antwortete Koch: „Über Wunder spricht man nicht, da hofft man drauf.“ Auf jeden Fall gäbe es Ereignisse, die sich nicht wissenschaftlich oder medizinisch erklären ließen. Die Hoffnung habe er „nie, zu keinem Zeitpunkt“ aufgegeben. Er habe aber auch manche verzweifelten Momente erlebt. Etwa wenn er eine Kletterwand sehe und hinaufsteigen wolle oder einen See und hineinsteigen wolle. Manchmal sei es einfach nur eine Fliege, die an Nase oder Ohr krabbele und die er nicht verscheuchen könne. Koch: „Das sind Momente, die hart sind.“ Selbstmitleid sei aber nicht sein Ding, und in der Klinik erlebe er ebenso lustige wie traurige Tage.

Es kann jetzt nur noch aufwärts gehen

Die Erfahrungen nach dem Unfall hätten ihn geprägt, sagte Koch. Er werde das Leben jetzt noch mehr genießen als zuvor. Auf die Frage nach seiner Zufriedenheit antwortete er: „Zufriedenheit ist ein Wort, das mich motiviert.“ Er sei noch etwas unzufrieden, aber: „Es kann jetzt nur noch aufwärts gehen, deshalb freue ich mich auf die Zukunft.“ Glücklich sei er über das, was er an Bewegungsfähigkeit und Gefühl zurück erhalte. Natürlich arbeite er darauf hin, wieder laufen zu können. „Trotzdem muss man da ein Stück weit realistisch sein“, so Koch. Und er brauche viel Geduld. „Mein Zeitplan ist nicht der, der schlussendlich für mich gilt.“

Glaube – die einzige Alternative

Auf die Frage nach seinem Glauben an Gott sagte Koch: „Gerade jetzt, in dieser Zeit, ist er für mich die einzige Alternative.“ Die letzten Monate hätten die Schwerpunkte in seinem Leben verschoben. Bewegung sei für ihn immer das wichtigste Thema gewesen. In der Klinik habe er gemerkt, dass es Wichtigeres gebe, als sich zu bewegen. Koch: „Ich bin flexibel. Hauptsache ich werde glücklich und zufrieden, egal mit was.“

Ein Stern heißt Samuel Koch

Im Rückblick auf den Unfall während „Wetten, dass …?“ sagte Koch, es sei ihm unangenehm, dass er die Show kaputt gemacht habe, und es tue ihm leid, dass auch viele Kinder unschöne Bilder hätten sehen müssen. Die große Anteilnahme der Zuschauer und die vielen Briefe, Geschenke und E-Mails hätten ihm sehr geholfen. Kinder hätten Gedichte für ihn geschrieben und aufgesagt. Sogar ein Stern sei nach ihm benannt worden. Er freue sich über die Gelegenheit, jetzt im Fernsehen Danke zu sagen. Koch: „Allen zu antworten, wenn Du nicht mal einen Stift in die Hand nehmen kannst, ist ein bisschen schwer.“

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