23. September 2017

Sudan: Unter neuen Kämpfen leiden auch die Christen

Quelle: idea.de

Der EKD-Beauftragte für den Sudan, Volker Faigle, ist tief besorgt über die Situation im Land. Foto: PR

Der EKD-Beauftragte für den Sudan, Volker Faigle, ist tief besorgt über die Situation im Land. Foto: PR

Khartoum/Hannover (idea) – Wenige Wochen vor der Selbständigkeit des Südsudan haben die Kämpfe zwischen Truppen der sudanesischen Zentralregierung und Einheiten der Unabhängigkeitsbewegung dramatisch zugenommen.

Mehr als 53.000 Menschen seien aus der umkämpften Region Süd-Kordofan geflohen, melden Nachrichtenagenturen. Die Gewalt richtet sich auch gegen Christen. Sie stellen im Südsudan die Mehrheit, während der Norden des Landes islamisch dominiert ist. In einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg versuchten muslimische Milizen, den christlich-naturreligiös geprägten Süden zu islamisieren. Dabei kamen über zwei Millionen Menschen um und sieben Millionen wurden vertrieben. Nach Angaben des Informationsdienstes ASSIST (Garden Grove, US-Bundesstaat Kalifornien) wurden bei den jetzigen Kämpfen mindestens drei Kirchen angegriffen. Die anglikanische Kathedrale von Kadugli sei in Flammen aufgegangen. Außerdem hätten militante Muslime zwei Kirchenmitglieder umgebracht. Ein evangelischer Pfarrer sei ohne erkennbaren Grund verhaftet worden. UN-Personal halte sich aus Sicherheitsgründen in den Kasernen auf und schütze die Zivilbevölkerung nicht.

EKD warnt vor Eskalation

Der EKD-Beauftragte für den Sudan, Volker Faigle (Berlin), ist tief besorgt: „Die sich gegenwärtig vollziehenden militärischen Auseinandersetzungen und die damit verbundene Flucht und Vertreibung in dieser Region sind alarmierende Zeichen für einen möglichen eskalierenden Konflikt zwischen der dortigen Bevölkerung und der nordsudanesischen Regierung mit schlimmen Folgen.“ Er forderte die internationale Staatengemeinschaft auf, den bürgerkriegsähnlichen Vorgängen in der Grenzregion mehr Aufmerksamkeit zu widmen. In Deutschland werde der Konflikt „mitunter aus diplomatischen Gründen heruntergespielt“. Der jahrzehntelange Bürgerkrieg im Sudan sollte eigentlich aufgrund eines Friedensabkommens im Jahr 2005 beendet sein. Präsident Umar Hasan Ahmad al-Baschir hatte sich bereiterklärt, das Ergebnis des Referendums vom Januar zu respektieren, bei dem sich 99 Prozent der Wähler für die Unabhängigkeit des Südsudan aussprachen. Sie soll am 9. Juli in Kraft treten. Allerdings ist der Grenzverlauf umstritten. Truppen des Nordens haben im Mai die zum Süden gehörende ölreiche Region Abyei besetzt, während die Bevölkerungsmehrheit des dem Norden zugeschlagenen Bundesstaates Süd-Kordofan einen Anschluss an den Süden wünscht. Der künftige Staat Südsudan hat 8,3 Millionen Einwohner, von denen die meisten zur katholischen oder anglikanischen Kirche gehören.