11. Dezember 2017

Kirchentag: Sind Evangelikale Fundamentalisten?

Quelle: idea.de

Jürgen Werth und Oda Lambrecht diskutieren in Dresden. Fotos: idea/kairospress

Jürgen Werth und Oda Lambrecht diskutieren in Dresden. Fotos: idea/kairospress

Dresden (idea) – Sind Evangelikale Fundamentalisten? Über diese Frage gingen bei einer Podiumsdiskussion beim Evangelischen Kirchentag am 3. Juni in Dresden die Meinungen auseinander.
 

Während für die Journalistin und Mitautorin des Buches „Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland“, Oda Lambrecht (Hamburg), die meisten Evangelikalen Fundamentalisten sind, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth (Wetzlar), er weise die Behauptung, alle Evangelikalen seien Fundamentalisten, „deutlich und scharf“ zurück. Wie Lambrecht erklärte, habe sie für das Buch gemeinsam mit ihrem Kollegen Christian Baars mehrere Jahre in evangelikalen Kreisen recherchiert. Dabei hätten die beiden Merkmale ausgemacht, die Evangelikale verbänden. Dazu gehöre unter anderem eine strenge Bibelgläubigkeit, die Abwehr liberaler theologischer Positionen, eine Einteilung der Welt in „Gut und Böse“ sowie eine Ablehnung anderer Religionen und naturwissenschaftlicher Erkenntnisse.

Werth: Auch Schwulen- und Lesbenverbände sind „unglaublich aggressiv“

Wie Werth einräumte, sei der Begriff „evangelikal“ für viele negativ behaftet. Das liege unter anderem daran, dass auch ein Pastor, der in den USA einen Koran verbrenne, als evangelikal bezeichnet werde, obwohl er „einfach nur durchgeknallt ist“. Er betonte, dass es die Pflicht eines jedes Christen sei, Respekt vor Menschen anderer Religion oder sexueller Orientierung zu haben. „Es gibt sicher schlimme Erfahrungen, die Homosexuelle mit Evangelikalen gemacht haben und dafür möchte ich mich hier entschuldigen“, erklärte der Allianzvorsitzende. Er persönlich sei zwar der Meinung, dass Homosexualität nicht dem Schöpfungsgedanken Gottes entspricht. „Aber ganz vieles, was wir heute tun, entspricht dem nicht“, fügte er hinzu. In diesem Zusammenhang wies Werth auf eine ebenfalls „unglaubliche Aggressivität“ hin, die Evangelikalen von Seiten der Schwulen- und Lesbenbewegung entgegenschlage.

Volkskirche und Evangelikale haben sich angenähert

Die Beauftragte der württembergischen Landeskirche für Weltanschauungsfragen, Anette Kick (Stuttgart), erklärte, nicht alle Evangelikalen seien Fundamentalisten. Seit den 70er Jahren habe es eine deutliche Annäherung von Volkskirche und evangelikaler Bewegung gegeben. Die Grabenkämpfe der Vergangenheit schienen weitgehend überwunden. Wie sie ausführte, müsse es überzeugten Christen möglich sein, die Vorteile der eigenen Religion deutlich herauszustellen. Hier seien sich Volkskirche und der „mainstream der Evangelikalen“ einig. An Frau Lambrecht gewandt, sagte sie: „Wenn Sie alle in einen Topf werfen, bin ich auch mit drin, da ich natürlich auch von meinem Glauben überzeugt bin.“ Zu der Veranstaltung in der Dresdner Versöhnungskirche waren rund 600 Interessierte gekommen.

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