20. September 2017

Göring-Eckardt: Kirchentagsbewegung erlebt neue Vitalität

Quelle: idea.de

Die Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Katrin Göring-Eckardt. Foto: idea/kairospress

Die Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Katrin Göring-Eckardt. Foto: idea/kairospress

Dresden (idea) – Die Kirchentagsbewegung erlebt eine neue Vitalität. Das sagte die Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Katrin Göring-Eckardt, zur Eröffnung des fünftägigen Protestantentreffens am 1. Juni vor Pressevertretern in Dresden.
 

Rund 118.000 Dauerteilnehmer hätten sich für den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in der sächsischen Landeshauptstadt angemeldet. Das seien so viele wie seit Hamburg 1995 nicht mehr, so die Grünen-Politikerin und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Hinzu kämen rund 27.000 Tagesgäste. Die größte Überraschung sei für die Veranstalter aber gewesen, dass rund ein Drittel aller Kirchentagsbesucher aus den östlichen Bundesländern kommt. Das sei beim letzten Kirchentag im Osten Deutschlands – 1997 in Leipzig – noch nicht der Fall gewesen. „Mit Fug und Recht können wir jetzt sagen: Dies ist der erste wirklich gesamtdeutsche Kirchentag seit 1961, als der Bau der Mauer durch Berlin auch die Kirchentagsbewegung in Ost und West trennte“, so Göring-Eckardt, die auch Präses der EKD-Synode ist.

„Evangelische Zeitansage besonders gefragt“

Mit Blick auf aktuelle Herausforderungen wie die Atomkatastrophe in Japan, den politischen Wandel in der arabischen Welt oder die Krise mancher EU-Mitgliedsländer erklärte die Politikerin, in dieser Lage sei „die evangelische Zeitansage“ besonders gefragt. „Es gibt hierzulande keinen besseren Ort als die Kirchentage, um Lösungen und Alternativen offen zu diskutieren und Streit über die Grenzen unterschiedlicher Positionen hinweg auszutragen“, sagte sie. Dem Protestantentreffen komme dabei zugute, dass es keine verfasste Institution sei, die Beschlüsse fasst und gültige Positionen verkündet. Vielmehr sei es Plattform, die jedem Gelegenheit biete, die eigene Meinung zu bekunden.

Zivilcourage haben Ossis und Wessis gleichermaßen nötig

Die Generalsekretärin des Kirchentages, Ellen Ueberschär (Fulda), erinnerte an den Kirchentag 1983 in Dresden unter dem Thema „Vertrauen wagen“. Dieselben Menschen, die damals diesen Kirchentag feierten, hätten sechs Jahr später mit der friedlichen Revolution den Aufbruch in die Freiheit gewagt. „Der Kirchentag, der heute beginnt, lebt von diesem Aufbruch in die Freiheit“, so Ueberschär. Auch heute lebe Kirche nicht aus ihrer Opposition zum Staat, sondern „aus dem Willen zur Mitgestaltung der Gesellschaft“, betonte sie. Dazu brauche es Glaubens- und Zivilcourage. Diese hätten „Ossis und Wessis“ gleichermaßen nötig – „gerade, weil manchmal vergessen wird, dass der hohe Anteil der Konfessionslosen in Ostdeutschland nicht auf ein Naturereignis, sondern auf die aggressive Religionspolitik der Nazis und der DDR zurückzuführen ist“.

Bohl: Kirchentag ist Projekt der ganzen Region

Der Bischof der gastgebenden Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl, dankte den Dresdnern für ihre Offenheit und Gastfreundschaft. So sei es unter anderem gelungen, 12.000 Privatquartiere zur Verfügung zu stellen. Damit sei der Kirchentag ein Projekt der ganzen Stadt und Region geworden. Bohl: „Ich hoffe vor allem, dass die Nichtchristen unter den Dresdnern durch den Kirchentag Kirche einmal ganz anders erleben werden, als manche sich Kirche vorstellen: Jung, fröhlich, spirituell – nachdenklich und der Welt zugewandt zugleich.“ Das Protestantentreffen steht unter dem Motto „… da wird auch dein Herz sein (Mt 6,21)“.