20. September 2017

Christen, seid barmherzig und solidarisch!

Quelle: idea.de

Dresden: 33. Evangelischer Kirchentag mit 120.000 Dauerteilnehmern zu Ende gegangen. Foto: idea/kairospress

Dresden: 33. Evangelischer Kirchentag mit 120.000 Dauerteilnehmern zu Ende gegangen. Foto: idea/kairospress

Dresden (idea) – Mit einem Appell zu mehr Solidarität und Barmherzigkeit ist am 5. Juni in Dresden der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag zu Ende gegangen.
 

Christen sollten von Jesus lernen, erklärte Pfarrerin Ulrike Trautwein (Frankfurt am Main) in ihrer Predigt zur Bitte aus dem Vaterunser „Dein Reich komme“. Sein Leben sei eine Art „Schule zum Hinschauen“. Er habe die Menschen mit dem Herzen angeschaut bei Gesprächen, wenn er sie berührte oder heilte. „Und so einen Blick brauchen wir.“ Das gelte im eigenen Land und weltweit. „Wir sehen in die richtige Richtung, wenn ein Mensch nicht mehr fliehen muss, weil wir hier aufgehört haben, ihm seine Lebensgrundlagen zu entziehen.“ Vom Reich Gottes sei auch dort etwas zu spüren, wo eine Frau vor den Übergriffen kriegslüsterner Männer geschützt werde, sagte sie. Auch in Deutschland kämen Menschen nicht zurecht: „Viele sind abgehängt und können nicht teilhaben am gesellschaftlichen Reichtum, andere sind atemlos geworden in der Tretmühle, manche zynisch nur noch an Machbarkeiten interessiert.“ Zu dem Abschlussgottesdienst auf den Elbwiesen versammelten sich nach Angaben der Veranstalter rund 120.000 Menschen.

Kirchentag: „Fenster zum Himmel und Tür zur Welt“

Wie Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt sagte, könne es mitunter schwer sein, die richtigen Entscheidungen zu treffen. „Aber es ist nicht schwer, ganz und gar auf der Seite derer zu stehen, die unter Krieg leiden, Flüchtlinge aufzunehmen da auf dem offenen Meer.“ Eine Botschaft des Kirchentages, die ins ganze Land gehen soll, laute daher: „Seid barmherzig mit den Fremden und Asylsuchenden, denn sie brauchen eine Heimat wie du und ich.“ Wie die Grünen-Politikerin und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages betonte, sei der Kirchentag schon immer beides gewesen – „ein Fenster zum Himmel und eine Tür zur Welt“. Beides gehöre zusammen. „Wir Christenmenschen lassen uns nicht einreden, wir müssten entweder noch politischer oder aber noch frommer werden. Wir sind beides und haben vor, es zu bleiben.“

Für eine stärkere Bürgerbeteiligung an politischen Entscheidungen

Göring-Eckardt würdigte das Protestantentreffen, zu dem vom 1.-5. Juni knapp 120.000 Dauerteilnehmer in die sächsische Landeshauptstadt gekommen waren, als „ersten echten wiedervereinigten Ost-West-Kirchentag“. Sie dankte den Dresdnern und den Sachsen für die Gastfreundschaft: „Immer wieder hieß es, wir kämen in eine angeblich nahezu glaubensfreie Zone. Danke den Zweiflern für die offenen Arme, und lasst euch sagen: Wir zweifeln auch mitunter.“ Die Politik forderte sie auf, die Bürger stärker an wichtigen Entscheidungen zu beteiligen: „Ja, wir wollen keine Von-Oben-Politik, sondern sind die Dafür-Republik. Fragt uns, diskutiert fair, hört auf kluge Einwände, bevor ihr große Entscheidungen trefft, zu Bahnhöfen, zu Flughäfen, zu Kraftwerken und Krankenversicherungen!“ Der Dresdner Kirchentag stand unter dem Motto „… da wird auch dein Herz sein“. Der nächste Deutsche Evangelische Kirchentag findet 2013 in Hamburg statt.

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