21. Oktober 2017

Pakistan: Stachelt ein Spielfilm Gewalt gegen Christen an?

Quelle: idea.de

Kinowerbung: „Strafe für Gotteslästerer ist die Enthauptung“. Foto: PR

Kinowerbung: „Strafe für Gotteslästerer ist die Enthauptung“. Foto: PR

Islamabad (idea) – Christen in Pakistan fürchten, dass ein geplanter Spielfilm den religiösen Fanatismus junger Muslime anheizt und zu gewalttätigen Angriffen führt.

Für den in der Sprache Urdu produzierten Streifen „Aik Aur Ghazi“ (Noch ein heiliger Krieger), der in zwei Monaten in die Kinos kommen soll, wird bereits geworben. Auf den Plakaten sei zu lesen „Die Strafe für Gotteslästerer ist die Enthauptung“, schreibt der pakistanische Journalist Jawed Mazhar im Informationsdienst Assist. Regisseur und Produzent ist der Pakistani Syed Noor (Lahore), der vor allem Liebesfilme dreht. Auch im neuen Film ist eine Romanze enthalten. Christen fallen aber Ähnlichkeiten zwischen dem Filmhelden und dem Attentäter Mumtaz Qadri auf, der im Januar den Gouverneur der Provinz Punjab, Salmaan Taseer, erschossen hat. Noor bestreitet einen solchen Zusammenhang. Nach dem Gouverneur wurde im März der pakistanische Minister für religiöse Minderheiten, der Christ Shabaz Bhatti, ermordet. Beide Politiker hatten eine Änderung der Blasphemiegesetze gefordert. Diese werden von radikalen Muslimen missbraucht, um Christen fälschlich der Beleidigung Mohammeds zu bezichtigen. Das Blasphemiegesetz sieht die Todesstrafe für jeden vor, der den Propheten Mohammed beleidigt. Seit Inkrafttreten des Gesetzes vor 20 Jahren wurden über 650 Christen wegen eines oft unbegründeten Verdachts angeklagt. Zur Vollstreckung von Todesurteilen kam es bisher nicht. Von den 173 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen, zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen.