11. Dezember 2017

China: Behörden gehen hart gegen Christen vor

Quelle: idea.de

Die staatlich nicht registrierten Shouwang-Gemeinde. Foto: PR

Die staatlich nicht registrierten Shouwang-Gemeinde. Foto: PR

Peking (idea) – Hart gehen die Behörden in der kommunistisch regierten Volksrepublik China nicht nur gegen Dissidenten wie den Künstler Ai Weiwei vor, der am 3. April festgenommen wurde und an einem unbekannten Ort festgehalten wird.
 

Auch Christen in Hausgemeinden, die sich der staatlichen Kontrolle entziehen, sind den Machthabern ein Dorn im Auge. Am 10. April wurden in Peking rund 170 Mitglieder der staatlich nicht registrierten Shouwang-Gemeinde vorübergehend festgenommen. Sie wollten einen nicht genehmigten Freiluftgottesdienst im Westen der Hauptstadt feiern. Die rund 1.000 Mitglieder zählende Gemeinde hatte sich nach Angaben des Hilfswerks China Aid Association (China-Hilfsvereinigung) mit Sitz in Midland (US-Bundesstaat Texas) zuvor in gemieteten Räumen in einem Restaurant zu Gottesdiensten versammelt. Dies wurde ihr jedoch untersagt. Auch durfte die Gemeinde kein Gebäude erwerben. Darauf entschloss sich ihre Leitung, den Gottesdienst im Freien abzuhalten.

Singen und beten beim Verhör

Nach der Ankündigung wurden mehr als 20 Pastoren und Gemeindeleiter unter Hausarrest gestellt, so China Aid. Rund 1.000 Sicherheitskräfte hätten das Gelände abgeriegelt und Christen festgenommen. Sie seien in einer nahe gelegenen Grundschule und mehreren Polizeistationen verhört worden. Dabei hätten die Christen Kirchenlieder gesungen und gebetet. Einige Festgenommene seien aufgefordert worden, Reue-Erklärungen zu unterschreiben; viele hätten sich jedoch geweigert, das zu tun. Einen ähnlichen Vorfall gab es bereits im November 2009. Vor einem Staatsbesuch von US-Präsident Barack Obama musste die Shouwang-Gemeinde ihre Versammlungsstätte in der Huajie-Plaza räumen. Rund 800 Mitglieder feierten daraufhin bei Schneefall ihren Gottesdienst in einem Park.

Die meisten Christen versammeln sich in Hausgemeinden

Das Hilfswerk China Aid setzt sich für verfolgte Christen in staatlich nicht anerkannten Hauskirchen ein. Die Gesamtzahl der Christen in der Volksrepublik wird auf bis zu 130 Millionen geschätzt. Die meisten versammeln sich in staatlich nicht anerkannten Hausgemeinden, weil sie sich nicht der Kontrolle des kommunistischen Regimes unterwerfen wollen. Sie werden bisweilen von örtlichen Behörden drangsaliert und verfolgt. Der staatlich anerkannte Chinesische Christenrat und die Patriotische Drei-Selbst-Bewegung repräsentieren etwa 18 Millionen Protestanten. Von den etwa 20 Millionen Katholiken gehören rund sechs Millionen zu regimetreuen Kirchen.