23. Oktober 2017

Wovon sollen unterdrückte Christen leben?

Quelle: idea.de

Foto: Flickr.com/BREW

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Pewsey (idea) – Religiöse Verfolgung ist schon schlimm genug, aber zusätzlich geraten viele wegen ihres Glaubens unterdrückte Christen in akute Existenznot. Weil sie diskriminiert werden, finden sie nur schwer oder gar keine Arbeit und können ihre Familien nicht ernähren. Am härtesten trifft es oft Pastoren: Ihre Gemeinden sind so arm und klein, dass sie ihnen kein Gehalt zahlen können, das ihren Lebensunterhalt auch nur annähernd sichert.
 

Auf diese Probleme macht jetzt das christliche Hilfswerk Barnabas Fund (Pewsey/Südwestengland) aufmerksam. Es setzt sich für unterdrückte Christen vor allem in islamischen Ländern ein. Schätzungen von Menschenrechtsexperten zufolge werden insgesamt rund 200 Millionen Christen verfolgt oder diskriminiert.

Am härtesten trifft es Konvertiten

Ihre Benachteiligung beginnt meist schon bei der Arbeitssuche: Arbeitgeber stellen keine Christen ein oder zahlen ihnen nur geringe Löhne. Oft sind selbst gut ausgebildete Fachkräfte oder Akademiker gezwungen, sich mit niedrigster Arbeit den Lebensunterhalt zu verdienen. Anderen ist der Aufstieg auf der Karriereleiter versperrt. Diskriminierung kann auch bedeuten, dass Kinder aus christlichen Familien von Bildungschancen ausgeschlossen sind; damit wird Armut aufgrund des Glaubens sozusagen vererbt. Am härtesten trifft diese Benachteiligung oft Konvertiten von der Mehrheitsreligion, etwa Christen muslimischer Herkunft. Wegen des „Abfalls“ vom Islam, der nach dem Religionsgesetz, der Scharia, mit dem Tode bestraft werden kann, werden sie von ihren Familien, Freunden und Arbeitgebern gemieden oder unter Druck gesetzt; sie können sogar ihre Arbeitstelle verlieren, weil sie Christen geworden sind. Eine neue Anstellung zu finden, ist oft aussichtslos.

Pastoren kämpfen ums Überleben

Ums Überleben kämpfen müssen vielfach Pastoren und Gemeindeleiter in Verfolgungsregionen. Ein Beispiel: In entlegenen Gebieten der indonesischen Insel Java haben Pastoren in muslimischer Umgebung Gemeinden gegründet. Die Mitglieder gehören selbst zu den ärmsten der Armen und können nur wenig für ihren Seelsorger geben. So stehen einer dreiköpfigen Pastorenfamilie pro Woche umgerechnet 0,60 Euro zur Verfügung. Vertreibung, Gewalt und Terror gegen Christen, wie sie sich unter anderem in Indien, Irak und Ägypten ereignet haben, führen dazu, dass sie vielerorts vor dem Nichts stehen. Flüchtlinge im Ausland dürfen meist nicht arbeiten. Naturkatastrophen können das Schicksal Verfolgter zusätzlich erschweren. So zerstörte im September 2009 ein Erdbeben in West Sumatra (Indonesien) die Öfen christlicher Backsteinbrenner – gerade als Baumaterial stark gefragt war. Die Christen konnten nur noch als Hilfsarbeiter tätig sein; als Lohn bekamen sie umgerechnet 2,40 Euro pro Tag.

Hilfe zur Selbsthilfe

Als Hilfe unterstützt Barnabas Fund – wie auch andere christliche Hilfswerke – Projekte, die Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Im vergangenen Jahr hat die Organisation nach eigenen Angaben mehr als 140 Kleinprojekte gefördert, durch die Unterdrückte ihren Lebensunterhalt verdienen können. Meist werden sie in die Lage versetzt, kleine Handwerksbetriebe oder Dienstleistungsfirmen zu gründen. Unter anderem wurde eine Schulung für angehende Imker in Uganda finanziert; im Nordsudan und in Zentralasien wurden Frauen als Näherinnen ausgebildet. Im von Rekordinflation und Misswirtschaft betroffenen Simbabwe erhielten Bauern unter anderem Saatgut.