21. Oktober 2017

Türkische Gemeinde attackiert Innenminister Friedrich

Quelle: jungefreiheit.de

Kenan Kolat: „Wenn der Innenminister Streit sucht, wird er ihn bekommen“ Foto: TGD

Kenan Kolat: „Wenn der Innenminister Streit sucht, wird er ihn bekommen“ Foto: TGD

BERLIN. Die Türkische Gemeinde in Deutschland hat die Äußerungen von Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) über den Islam scharf kritisiert. Verbandschef Kenan Kolat sagte, die Behauptung, der Islam gehöre historisch nicht zu Deutschland, sei „total falsch“. Die islamische Welt habe Europa auf vielfältige Weise bereichert.

Kolat drohte dem CSU-Politiker in der Bild: „Wenn der Innenminister Streit sucht, wird er ihn bekommen“. Er hoffe aber, daß Friedrich das Angebot der Muslime annehmen werde und sich um einen Dialog bemühe.

Unterstützung erhielt Kolat vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider. Dieser sagte der Frankfurter Rundschau, durch den Glauben der Muslime sei natürlich auch der Islam da, wenn auch nicht so gut organisiert wie die christlichen Kirchen. Der evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg, Markus Dröge, kritisierte, Friedrich habe durch seine Äußerungen gute Ansätze in Frage gestellt.

Kritik auch von FDP und Oppositionsparteien

Auch seitens der Politik hielt die Kritik am neuen Innenminister an: Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, spottete, es „reicht nicht aus, Deutschland aus Sicht von Oberfranken zu betrachten“. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) warnte, die Äußerungen gefährdeten die Integration.

Bereits am Freitag hatte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) Friedrich angegriffen und ihn aufgefordert, sich künftig auf Integration und Zusammenhalt zu konzentrieren und nicht auf Ausgrenzung. Der Innenexperte der FDP, Hartfried Wolff, mahnte, es sei nicht wichtig, ob der Islam in der Historie zu Deutschland gehöre. Vielmehr müsse man sich jetzt mit der Gegenwart beschäftigen.

Regierungssprecher Steffen Seibert bemühte sich unterdessen, die Aussage Friedrichs zu relativieren. Nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Bundesregierung gehöre der Islam zu Deutschland, betonte Seibert.

Unterstützung aus Reihen der Union

Zustimmung erhielt der Innenminister dagegen vom Vorsitzenden des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach. Gegenüber Spiegel-TV bezweifelte der CDU-Politiker die Zugehörigkeit des Islams zur nationalen Identität Deutschlands. Ähnlich äußerte sich auch der Unionsfraktionsvorsitzende im Bundestag, Volker Kauder. „Der Islam hat unsere Gesellschaft nicht geprägt und prägt sie auch heute nicht. Der Islam gehört damit nicht zu Deutschland“, sagte Kauder der Passauer Neuen Presse.

Friedrich selbst blieb am Wochenende bei seiner Meinung, wies in der Bild am Sonntag aber darauf hin, keine Berührungsängste gegenüber Moslems zu haben. Seine Schägwerin sei eine Türkin und deren Vater Mitbegründer einer Moschee im vogtländnischen Hof. Auch nehme er regelmäßig am islamischen Fastenbrechen teil. Gleichzeitig erneuerte Friedrich seine Einladung zur nächsten Islamkonferenz am 29. März. Die vom früheren Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) initiierte Konferenz soll die Integration der Muslime fördern und verstärken. (ho)