17. Oktober 2017

Scharfe Kritik an Koranverbrennung in den USA

Quelle: idea.de

Der umstrittene US-Pastor Terry Jones initiierte einen Schauprozess gegen den Koran. Foto: PR

Der umstrittene US-Pastor Terry Jones initiierte einen Schauprozess gegen den Koran. Foto: PR

Washington (idea) – Die Verbrennung eines Koran-Exemplars nach einem Schauprozess im US-Bundesstaat Florida ist auf scharfe Kritik der US-Regierung gestoßen. Auch christliche und muslimische Gruppen verurteilten die Aktion.
 

Das berichtet der US-amerikanische Nachrichtendienst ANS (Lake Forest/Bundesstaat Kalifornien). Der umstrittene Pastor Terry Jones hatte am 20. März in dem vom ihm geleiteten „Dove World Outreach Center“ in Gainesville im Bundesstaat Florida einen Prozess gegen den Koran initiiert. Dabei war das heilige Buch der Muslime für schuldig befunden worden, zu Mord und Vergewaltigung aufzurufen und somit Millionen Verbrechen ausgelöst zu haben. Jones’ Amtskollege Wayne Sapp vollzog die „Strafe“ und zündete ein Exemplar des Buches an. Die Aktion wurde im Internet übertragen. Bilder des brennenden Korans sind auf der Homepage der Gemeinde zu sehen. Der 58-jährige Jones hatte bereits im vorigen Jahr angekündigt, am 11. September – dem neunten Jahrestag der Terroranschläge auf das New Yorker Welthandelszentrum – Koran-Exemplare vor seiner Kirche zu verbrennen. Einen Tag vor der geplanten Aktion ließ er sich aufgrund der weltweiten Proteste umstimmen.

Religionsfreiheit ist Pfeiler der US-Gesellschaft

Ein Sprecher des US-Außenamts, Mark Toner (Washington), verurteilte die Koranverbrennung als „respektlos, intolerant und spaltend“: „Wir sind tief besorgt über die bewussten Versuche, Angehörige religiöser und ethischer Gruppen zu beleidigen.“ Er wies darauf hin, dass auch andere Verbände diese Einschätzung teilten, etwa die Nationale Vereinigung der Evangelikalen in den USA, der Bund der Südlichen Baptisten und die Anti-Diffamierungs-Liga. Toner erinnerte daran, dass Religionsfreiheit und religiöse Toleranz „die wichtigsten Pfeiler der US-Gesellschaft“ seien.

Muslime in den USA verweigern Kommentierung

Einem Bericht der „Times of India“ (Neu Delhi) zufolge haben sich muslimische Gruppierungen in den USA geweigert, die Aktion von Jones zu kommentieren. Die in Pakistan ansässige Menschenrechtsorganisation Shadow (Schatten) bezeichnete die Verbrennung als „Akt eines Einzelnen“: „Wir, die Muslime und Christen in Pakistan, leben friedlich zusammen und respektieren die Religion der anderen.“ Dies gelte für die Bibel wie für den Koran, so Direktor Prof. Anjum James Paul. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen von radikalen Muslimen auf Christen – bis hin zum Mord.