23. Oktober 2017

Muslimen angstfrei und fair begegnen

Quelle: idea.de

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Köln (idea) – Für einen angstfreien und fairen Umgang mit Muslimen haben sich Vertreter der Evangelischen Allianz ausgesprochen. Christen sollten nicht einseitig die wenig friedliebenden Zitate aus dem Islam zitieren.
 

Auch aus den Psalmen ließen sich einzelne Verse zu einer verzerrten Darstellung des christlichen Glaubens nutzen. Diese Ansicht vertritt der Vorsitzende der Evangelischen Allianz Köln, Pastor Klaus-Peter Nanz. Er sprach am 15. März auf einer Veranstaltung der örtlichen Allianz zum Thema „Islam verstehen – Muslimen begegnen“. Angesichts der kontroversen öffentlichen Diskussionen, die den Bau einer Großmoschee im Stadtteil Ehrenfeld begleiten, wolle die Allianz Orientierung für die Begegnung mit muslemischen Nachbarn anbieten. Nach Fertigstellung der Moschee seien Gespräche der örtlichen Vereinigung Evangelischer Freikirchen mit der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) geplant, so Nanz gegenüber idea. Auf dem Gelände der deutschen DITIB-Zentrale entsteht der Moscheeneubau. Laut Nanz kommt es in der Begegnung mit Muslimen darauf an, die Person Jesu Christi, dessen Bedeutung in der Theologie und für das Leben der Christen in den Vordergrund zu stellen.

Worauf es beim Dialog mit Muslimen ankommt

Der Islamwissenschaftler und Mitarbeiter des Instituts für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz, Carsten Polanz (Bonn), sagte, wenn Christen einen Dialog mit Muslimen ohne eigenen Standpunkt führen wollten, machten sie sich lächerlich. Christen sollten bei der Begegnung mit Muslimen die Person hinter der Ideologie sehen und ihre Überzeugungen in Liebe weitergeben. Polanz: „Es gibt unter den Muslimen viele offenherzige, gastfreundliche Menschen.“ Die in manchen christlichen Gemeinden bestehende Angstatmosphäre gegenüber dem Islam hindere Christen an der Begegnung mit Muslimen. Im Gespräch mit deren politischen Vertretern sei es wichtig, genau hinzuhören und Fragen zu stellen. So würden Begriffe wie Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde aufgrund ihrer Beziehung zur moslemischen Gerechtigkeitslehre, der Scharia, häufig anders gefüllt als in der westlichen Welt. Die Menschenwürde im Islam hänge davon ab, ob man sich der Scharia unterordne. Christen könnten Muslime durch ein glaubwürdiges Leben überzeugen. „Diese Menschen kommen häufig aus einengenden Kollektivgesellschaften und sehnen sich nach Freiheit, aber nicht nach Beliebigkeit“, sagte Polanz.

Rheinmetropole mit 30 Moscheen

Von den etwa eine Million Bürgern Kölns sind 17 Prozent Ausländer. Unter ihnen stellen die Türken mit 65.000 Personen die größte Gruppe. In der Stadt gibt es etwa 30 Moscheen. Die im Kölner Stadtteil Ehrenfeld entstehende Großmoschee wird 1.200 Besuchern Platz bieten. Der 2009 begonnene Bau hatte zu einer heftigen Debatte geführt. Die Einweihung der Moschee ist für den Jahreswechsel 2011/12 geplant.