18. Oktober 2017

Evangelikale Bibelübersetzerin getötet

Quelle: idea.de

Foto: Barbara Großmann / pixelio.de

Foto: Barbara Großmann / pixelio.de

Jerusalem/Edinburgh (idea) – Das Todesopfer des Jerusalemer Bombenanschlags vom 23. März war eine evangelikale Bibelübersetzerin. Der 59-jährige Schottin Mary Gardner war bei dem Attentat eines mutmaßlich palästinensischen Täters so schwer verletzt worden, dass sie nach etwa einer Stunde im Krankenhaus starb. Wie die schottische Zeitung Daily Record (Edinburgh) berichtet, war Gardner von 1989 an als Wycliff-Bibelübersetzerin im westafrikanischen Togo tätig.
 

Dort übersetzte sie das Neue Testament in die Sprache Ifi. Diese Arbeit war im Jahr 2009 abgeschlossen. Danach war Gardner nach Angaben des britischen Wycliff-Direktors Eddie Arthur (High Wycombe/England) in mehreren Hilfsprojekten tätig. Seit einem halben Jahr studierte sie an der Hebräischen Universität von Jerusalem, um ihre Sprachkenntnisse zu erweitern. Sie wollte nach Togo zurückkehren, um das Alte Testament zu übersetzen. Die ledige Frau hinterlässt ihre Eltern, die auf den Orkney-Inseln wohnen. Bei dem Anschlag wurden rund 40 Personen verletzt. Der Sprengsatz explodierte in einer Tasche, die der Attentäter an einer Haltestelle nahe der zentralen Busstation abgestellt hatte. Es war der erste derartige Terrorakt in Israel nach einer relativ langen Phase der Ruhe. Zum letzten Mal starben drei Menschen im Juli 2008, als ein palästinensischer Extremist mit einem Bulldozer auf Autos und Fußgänger zusteuerte. Auch der letzte Selbstmordanschlag, der sich in der Stadt Dimona ereignete, liegt fast drei Jahre zurück. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte die aktuelle Bluttat im Zusammenhang mit der Eskalation an der Grenze zum Gaza-Streifen stehen. Von dem von der radikal-islamischen Hamas beherrschten Territorium wurden Raketen und Granaten auf Israel abgefeuert. Die israelische Luftwaffe schlug zurück.

Christen beten für Anschlagsopfer

Die Auswirkungen des jüngsten Anschlags auf die christliche Minderheit in Israel sind nach Einschätzung führender kirchlicher Repräsentanten noch nicht abzusehen. Nach den Worten des höchsten Repräsentanten der EKD im Heiligen Land, Propst Uwe Gräbe (Jerusalem), ist noch unklar, ob es sich um eine Einzeltat oder den Auftakt zu einer Anschlagsserie handele. „Die Regierung hat natürlich ein großes Interesse daran, dass keine Unruhe in der Bevölkerung entsteht und hält sich mit Informationen zurück“, erklärte Gräbe gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Genaue Informationen zu den Hintergründen der Tat habe ihm auch die Deutsche Botschaft nicht geben können. Er beobachte unter den Menschen keine Hysterie: „Man ist hier natürlich auch einiges gewöhnt.“ In der Mittagsandacht um 12 Uhr, die jeden Wochentag in der Erlöserkirche stattfindet, bete die Gemeinde, die rund 200 eingeschriebene Mitglieder zählt, für die Opfer des Anschlags und deren Angehörige.

Zahl der Christen massiv zurückgegangen

Gräbe geht nicht davon aus, dass der Anschlag den Exodus der Christen aus Jerusalem und dem Heiligen Land verstärkt. Die Zahl der Christen in Jerusalem ist in den vergangenen Jahrzehnten massiv zurückgegangen. Lebten 1946 noch 31.000 in der Stadt, so sind es heute schätzungsweise noch 6.000. „Für viele Christen ist es wirtschaftlich sehr verlockend, in Europa oder den USA zu arbeiten und zu leben“, so Gräbe. Aber auch eine latente Christenfeindschaft unter Muslimen wie auch orthodoxen Juden treibe viele Christen aus dem Land. Dass der Anschlag dem Tourismus schaden könne, damit rechnet der Propst derzeit nicht. Israel hat das touristisch beste Jahr seiner Geschichte hinter sich: 2010 besuchten nach Angaben des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros 3,3 Millionen Menschen das Land. Das waren 23 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Um den gleichen Wert auf 181.000 stieg auch die Zahl der Besucher aus Deutschland. Viele von ihnen sind Christen, die im Heiligen Land auf den Spuren Jesu wandeln.