23. Oktober 2017

Der Glaube gehört auch an den Arbeitsplatz

Quelle: idea.de

Malteser-Repräsentant Freiherr Heereman: Mit Kollegen zum Gebet treffen.

Malteser-Repräsentant Freiherr Heereman: Mit Kollegen zum Gebet treffen.

Schwäbisch Gmünd (idea) – Der Glaube sollte auch am Arbeitsplatz gelebt werden. Davon ist einer der ranghöchsten Vertreter des katholischen Malteserordens, Rechtsanwalt Johannes Freiherr Heereman von Zuydtwick (Köln), überzeugt.
 

Er sprach zum Auftakt des christlichen Gesundheitskongresses „mediora“, der vom 17. bis 20. März in Schwäbisch Gmünd bei Stuttgart stattfindet. Wie Heereman sagte, dürfe die Verbindung zu Gott nicht nur im Gottesdienst oder in der Familie gelebt werden. Die meisten Menschen verbrächten einen Großteil ihrer Lebenszeit am Arbeitsplatz; deshalb müsse dort auch Spiritualität ihren Platz haben. Der Rechtsanwalt schilderte, wie er in der Kölner Zentrale der Malteser angefangen habe, sich mittags mit einem Kollegen zum Gebet zu treffen. Dies sei anderen Mitarbeitern aufgefallen. Auf Nachfrage habe man von dem Gebetstreffen erzählt. Schließlich hätten 15 Prozent aller Mitarbeiter daran teilgenommen.

Sind christliche Vorgesetzte barmherziger?

Heereman wandte sich gegen die Anschauung, dass überzeugte Christen in Leitungspositionen barmherziger mit Mitarbeitern umgehen sollten, die weniger Leistung als andere erbringen. Wenn man erkenne, dass jemand am falschen Platz sei, müsse man als Vorgesetzter dafür sorgen, dass er einen Arbeitsplatz finde, der seiner Begabung entspreche.

Abtreibung ist kein Ausweg

Dass zur Spiritualität auch unbequeme Entscheidungen gehören könnten, schilderte er in einem die Zuhörer stark bewegenden Beispiel der Schwangerschaft einer Nichte. Als Christin hätte sich die Frau für das Austragen eines schwerkranken Kindes entschieden, obwohl die Ärzte zur Abtreibung geraten hätten. In einem Blog im Internet habe die Frau eine Art Schwangerschaftstagebuch geführt. Sie sei überzeugt gewesen, dass auch ein behindertes Kind ein von Gott geliebtes Geschöpf und damit wertvoll sei. Die Tochter Jasmin habe nur drei Tage gelebt. Wie Heereman sagte, seien die Mutter, ihr Ehemann und auch die Ärzte durch diese Erfahrung geistlich gereift. Auch der Frauenarzt, der zunächst zur Abtreibung geraten habe, habe eingeräumt, dass er seine Haltung zum Schwangerschaftsabbruch noch einmal grundsätzlich überdacht habe. In einer Abtreibung sehe er heute keine Lösung mehr. Wie Heereman sagte, seien die ersten Christen im Römischen Weltreich dafür bekannt gewesen, dass sie keine Kinder getötet hätten, bevor sie geboren wurden. Er bedauerte, dass sich diese Einstellung im Laufe der Kirchengeschichte nicht fortgesetzt habe. Der Kongress „mediora“ findet zum dritten Mal statt. Beim Namen handelt es sich um ein Kunstwort aus „Medizin“ und „Ora“ (Lateinisch für beten). In diesem Jahr zählt er 250 Teilnehmer – sowohl medizinische Fachleute wie auch an Gesundheitsfragen interessierte Laien.