21. Oktober 2017

BW: Wird sich Winfried Kretschmann an das Wahlprogramm der Grünen halten?

Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Dass die Katastrophe in Japan, wie es ein Grünen-Politiker hinter vorgehaltener Hand tuschelte, „gerade zur rechten Zeit für die BW-Wahl“ gekommen sei, ist ein Spruch, der unter die Gürtellinie schlägt.
 

Natürlich macht sich der Bürger im Blick auf die Bilder aus Japan Gedanken über Chancen und Gefahren moderner Energiequellen. Natürlich steht der Bürger noch unter Schock und schiebt die auf ihn zukommende grüne Preissteigerung in die gedankliche Warteschleife. Aber auf dem Stimmzettel hat er erst einmal mit zitternder Hand sein Kreuz den Grünen geschenkt.

Der 1948 in Spaichingen geborene Winfried Kretschmann gibt den Grünen in Baden-Württemberg ein anderes Gesicht und erhebt sie zum Wahlsieger. Er hat gute Chancen, zum ersten grünen Ministerpräsidenten in einem Bundesland gewählt zu werden.

Wenn dies so kommen würde, hätte der praktizierende Katholik, der als Vertreter des wertkonservativen Flügels seiner Partei gilt, ein Problem. Denn BW`s Grüne kämpfen nicht nur für den Ausstieg aus der Atomenergie oder gegen Stuttgart 21. Im Programm zur Landtagswahl 2011, das BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Baden-Württemberg zur Landesdelegiertenkonferenz im Dezember 2010 beschlossen haben, steht:

„Wir GRÜNE… setzen uns für die gleichberechtigte Teilhabe von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, transsexuellen und intersexuellen Menschen ein… Wir GRÜNEN wollen erreichen, dass die beamtenrechtlichen Regelungen für diesen Personenkreis den Regelungen für heterosexuelle Eheleute rückwirkend angeglichen werden… Über die Landespolitik hinaus setzen wir uns deshalb für die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare ein und damit für eine vollständige Gleichstellung von lesbischen und schwulen Partnerschaften und Regenbogenfamilien im Hinblick auf das Adoptionsrecht und das Steuerrecht. Die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, transsexuellen und intersexuellen Menschen muss auch im Grundgesetz verankert werden.“

Hat der Ministerpräsident in spe im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte dem Programm der Grünen zugestimmt, so wird er eine Initiative auf Bundesratsebene fordern müssen, die sich für die Aufnahme der Sexuellen Identität in Artikel 3 des Grundgesetzes einsetzt. Auch wird er – wie im Beschlusstext steht – „schwul-lesbische Jugendprojekte gerade im ländlichen Raum“ fordern und „eine stärkere Akzeptanz und Sensibilität in Fragen sexueller Identitäten bei der Jugendhilfe“ unterstützen müssen.

Baden-Württembergische Schulen sollen – so wollen es die Grünen – die Aufgabe erhalten, unterschiedliche sexuelle Identitäten als etwas Selbstverständliches zu vermitteln. Diese Aufgabe soll in den Bildungsstandards sowie in der Lehrerbildung verbindlich verankert werden; nicht nur im Fach Biologie, sondern in allen Unterrichtsfächern. Der Alltag verschiedener Familienformen, auch von Regenbogenfamilien, müsse hinreichend abgebildet werden.

Wird sich Winfried Kretschmann an das Wahlprogramm der Grünen halten oder hat er den Mut und die Kraft, gegen diesen wertefeindlichen grünen Strom zu schwimmen? Es bleibt spannend!

Nun, was wäre ein Frühjahr ohne frisches Grün. Nicht vorstellbar! Unvorstellbar wäre aber auch, wenn der Machtwechsel in Baden-Württemberg Deutschland in ein Sodom und Gomorrha verwandeln würde, wo lesbische, schwule und Was-es-sonst-noch-so-gibt-Pärchen über grüne Bildungsinitiativen und soziale Projekte ihre Regenbogenspielchen ausleben könnten. (Thomas Schneider)

Hinweis in eigener Sache: Es handelt sich um einen privaten Kommentar des Kommunalpolitikers Thomas Schneider und nicht um einen Kommentar von idea.