21. November 2017

Was tun gegen Gefahren aus dem Internet?

Quelle: idea.de

Hannover (idea) – Das Internet eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, birgt aber auch reichlich Gefahren: Datenklau, Cyber-Mobbing, Pornographie, Gewalt und vieles mehr. Das Bewusstsein dafür will der internationale „Safer Internet Day“ (Tag des sichereren Internets) am 8. Februar schärfen. Besonders Kinder und Jugendliche sind den Gefahren im Netz ausgesetzt, aber auch Erwachsene sind nicht davor gefeit.

99 Prozent der 14- bis 29-Jährigen surfen täglich oder zumindest mehrmals in der Woche im Netz, wie die Studie „Generation Netzwerk“ 2010 zeigte. Viele Eltern wissen aber nicht über die Internet-Aktivitäten ihrer Kinder Bescheid. So erfährt beispielsweise mehr als die Hälfte aller Eltern nicht, wenn ihre Sprösslinge online sexuelle Nachrichten erhalten, so die Studie „EU Kids Online 2010“. Dabei ist gerade der Zugang zu pornografischen Webseiten das größte Problemfeld; rund 37 Prozent aller Internetseiten haben pornografische Inhalte. Da Kinder und Jugendliche meist nicht Seiten aufsuchen, die für ihre Altersgruppe ausgelegt sind, kommen auch sie leicht an solche – meist frei zugänglichen – Inhalte. Dabei stoßen sie auch auf Seiten, die Magersucht, Gewalt, Suizid oder Rechtsradikalität verharmlosen.

Gefahren in sozialen Netzwerken

Eltern sollten „zu Hause am besten ein Klima schaffen, in dem Kinder sich trauen, so etwas zu erzählen“, empfiehlt Birgit Kimmel von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz (Ludwigshaufen). Zusätzlich können Filtersysteme helfen, dass der Nachwuchs jugendgefährdende Seiten gar nicht erst öffnen kann. Allerdings haben diese Programme auf die Nutzung sozialer Netzwerke wenig Einfluss. Gerade dort lauern Gefahren: Schüler werden gemobbt oder Handy-Videos von Angriffen auf unbekannte Personen hochgeladen. Beides kann strafrechtliche Konsequenzen haben, wenn Persönlichkeits- oder Urheberrechte verletzt werden. Schwerer wiegt jedoch, dass die Nutzer mit Pädophilen, Drogendealern oder Sekten in Kontakt kommen können.

EKD-Sprecher: Vertrauensvollen Dialog pflegen

„Um einen verantwortlichen Umgang mit dem Internet zu erreichen, sind besonders die Bildungseinrichtungen gefragt“, erklärte Oberkirchenrat Reinhard Mawick (Hannover), Pressesprecher der EKD, gegenüber idea. Jedoch müsse auch in den Familien der vertrauensvolle Dialog zwischen Eltern und Kindern gepflegt werden. Wenn dies nicht stattfinde, seien Kinder oft überfordert mit dem Internet. „Restriktionen sind wenig hilfreich, Eltern müssen vielmehr ihre Kinder an die Hand nehmen“, so Mawick. Zudem sei es wichtig, den Heranwachsenden zu vermitteln, dass das reale Leben viel mehr zu bieten habe als das virtuelle im Internet.

Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation

„Kinder und Jugendliche müssen möglichst von klein auf einen reflektierten Umgang mit den Medien lernen. Hier ist nicht nur eine Sensibilisierung in Bezug auf riskante Seiten gefragt, sondern auch ein Angebot an ‚guten’ Seiten, die Heranwachsende ansprechen, aber nicht ‚pädagogisieren’“, erklärten der Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) Landesverband Bayern, Ekkehard Mutschler, und der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel (beide München), anlässlich des Safer Internet Days. Sie fordern, dass die Medienerziehung an den Schulen deutlich aufgewertet wird. Mutschler: „Medienkompetenz ist eine Schlüsselqualifikation in Bezug auf Bildung und mitentscheidend für die Lebensgestaltung junger Menschen.“ Dass das Thema auch von der Bundesregierung ernst genommen wird, zeigt die Gründung der „Stiftung Digitale Chancen“, die bereits 2002 unter der Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesfamilienministeriums ins Leben gerufen wurde. Bekannter dürfte der derzeit über die Fernsehschirme flimmernde Spot von „klicksafe“ sein, der „EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz“. Beide Projekte haben sich zum Ziel gesetzt, Medienkompetenz zu schulen.

Internet-Tag in über 70 Ländern

Der Safer Internet Day wird in über 70 Ländern veranstaltet. Über 100 Institutionen, Schulen und Unternehmen beteiligen sich auch in Deutschland mit eigenen Aktivitäten und Veranstaltungen an dem Aktionstag. Initiiert und koordiniert wird der Tag durch die EU-Initiative „klicksafe“, die von den Landesmedienanstalten in Nordrhein-Westfalen (LfM) und Rheinland-Pfalz (LMK) getragen wird.

klicksafe.de
digitale-chancen.de
bildungsklick.de
erf.de
mediendschungel.de