19. November 2017

Nach Protesten: Keine kirchliche Veranstaltung mit Sarrazin

Quelle: idea.de

Die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann begrüßt die Absage. Foto: PR

Die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann begrüßt die Absage. Foto: PR

Halberstadt (idea) – Nach Protesten aus kirchlichen Kreisen ist ein Diskussionsabend mit dem früheren Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin (SPD) in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) abgesagt worden.
 

Pfarrer Harald Kunze vom Evangelischen Kirchspiel Halberstadt und der frühere dortige Pfarrer der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, Pfarrer Hartmut Bartmuß, hatten den Autor des Buches „Deutschland schafft sich ab“ zu der Reihe „Halberstädter Abende“ für den 24. Februar in die Winterkirche des Doms eingeladen. Gegen die Veranstaltung protestierten unter anderem ein christliches Aktionsbündnis „Kein Podium für Sarrazin in der Kirche“ und die „Arbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus“. Der Kreiskirchenrat forderte die Pfarrer auf, die Veranstaltung zumindest bis nach der Landtagswahl am 20. März zu verschieben, damit die NPD daraus keinen Nutzen ziehen könne. Die rechtsextreme Partei hatte angekündigt, den „Wahlkampfhelfer Thilo Sarrazin“ mit einer Kundgebung auf dem Domplatz zu begrüßen. Die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann (Magdeburg), begrüßte am 23. Februar die Absage. Sie sei erleichtert, dass die Verantwortlichen „die dringende Bitte aus der Landeskirche“ gehört hätten. Nach Ansicht der Bischöfin wäre durch die Veranstaltung „eine politische Richtung in besonderer Weise hervorgehoben worden“. Außerdem habe die NPD den geplanten demokratischen Diskurs für ihre Zwecke in einem solchen Maße instrumentalisiert, das für die Kirche nicht mehr tolerierbar gewesen sei. Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“, von dem über 1,2 Millionen Exemplare verkauft wurden, hatte im vergangenen Jahr eine heftige Kontroverse ausgelöst. Darin vertritt er unter anderem die These, dass die muslimische Migrantengruppe besonders stark „mit der Inanspruchnahme des Sozialstaats und Kriminalität verbunden“ sei.

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