18. November 2017

Homosexualität: Theologen streiten um Bibelverständnis

Quelle: idea.de

Altbischof Wilckens: Biblisches Nein zu homosexueller Praxis ernst nehmen.

Altbischof Wilckens: Biblisches Nein zu homosexueller Praxis ernst nehmen.

Lübeck (idea) – Haben die Bibelstellen zur Homosexualität auch heute Geltung, wenn es etwa um die Frage geht, ob gleichgeschlechtliche Partnerschaften im Pfarrhaus zulässig sein sollen oder nicht?
 

Über diese Frage wird in der evangelischen Kirche heftig gestritten. Der nordelbische Altbischof Prof. Ulrich Wilckens (Lübeck) übt jetzt scharfe Kritik an einer Bibelauslegung des Theologieprofessors Jürgen Ebach (Bochum), die auf dem Portal evangelisch.de veröffentlicht wurde. Darin hatte Ebach die Ansicht vertreten, dass die Bibel keine homosexuellen Partnerschaften kenne. So gehe es in den alttestamentlichen Stellen, die es als Gräuel bezeichnen, wenn ein Mann bei einem Mann und eine Frau bei einer Frau liegen, um entwürdigende Formen von Sexualität und Gewalt. Ebach hält es für „biblisch theologisch erlaubt“, einzelne Sätze der Bibel über die Homosexualität nicht gelten zu lassen. Seine Begründung: „Weil dagegen im Alten und Neuen Testament das Gebot der Nächstenliebe und der Fremdenliebe steht, das es ausschließt, meine Mitmenschen und auch die, deren Lebensweise mir fremd ist, zu diskriminieren.“ In seiner am 12. Februar veröffentlichten Entgegnung schreibt Wilckens, zwar seien zu biblischen Zeiten auf Dauer angelegte homosexuelle Partnerschaften – wie es sie heute gebe – nicht im Blick gewesen. Aber auch in solchen Partnerschaften werde genau das getan, was im Alten und Neuen Testament konkret benannt werde: der Beischlaf von Männern mit Männern. Dieser Sexualakt werde als Gräuel und Schande verurteilt. Ebach begnüge sich als moderner Zeitgenosse mit der „polemischen Vermutung“, wer in heutiger Auslegung dieser Verurteilung noch Gewicht beimesse, der wolle „ein ohnehin feststehendes (eigenes) Urteil unterfüttern“. Wilckens: „So nimmt man weder die biblischen Texte ernst noch auch seine Meinungsgegner der Gegenwart als deren Exegeten.“

Gebot der Nächstenliebe nicht entleeren

Wilckens warnt ferner davor, dass Gebot der Nächstenliebe zu entleeren. Dies sei dann der Fall, wenn es nur darum gehe, die Lebensweise jedes Mitmenschen anzuerkennen: „Die Liebe zum Nächsten hat aber im Willen der Liebe Gottes ihren Grund und ihre Quelle. Und so muss ein Christ auch sein sexuelles Verhalten ganz nach dem Willen Gottes ausrichten und daher wissen, dass gleichgeschlechtliches Zusammenleben – wie alle außereheliche Sexualität – dem Gotteswillen widerspricht.“ Wilckens gehört zu acht Altbischöfen, die sich in einem Offenen Brief gegen ein Zusammenleben Homosexueller im Pfarrhaus ausgesprochen haben.