19. September 2017

Wie der Glaube Mircos Eltern durchträgt

Quelle: idea.de

Krefeld (idea) – Das Schicksal der Familie des nach fast fünf Monaten tot aufgefundenen zehnjährigen Mirco aus Grefrath (Niederrhein) erschüttert Deutschland.

 
Als dringend tatverdächtig für die Tötung des Jungen gilt der 45-jährige Familienvater Olaf H. aus dem nahe gelegenen Schwalmtal. Wie gehen die Eltern des am 3. September verschwundenen Jungen, dessen Leiche am 26. Januar gefunden wurde, mit dem Geschehen um? Reinhard und Sandra Schlitter sind Evangelikale; sie gehören der Krefelder Christengemeinde an, die dem Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) angeschlossen ist. Bei der Bewältigung der Trauer werden sie von den Seelsorgern der Gemeinde unterstützt. Wie Pastor Norbert Selent gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea berichtete, habe das Elternpaar die Nachricht gefasst aufgenommen. Die Gewissheit über das Schicksal ihres Sohnes habe nach seinem Eindruck auch ein wenig entlastend auf die Eltern gewirkt. Selent besuchte das Ehepaar kurz nach der Überbringung der Todesnachricht durch die Polizei ebenso wie der Präses der rund 46.000 Mitglieder zählenden Freikirche, Roman Siewert (Norddeich). Auch er hatte die Familie in den zurückliegenden Monaten seelsorgerlich begleitet.

Christliche Gemeinden beten

Ab dem 5. September, dem Sonntag nach Mircos Verschwinden, bis zum Jahresende beteten Christen der Pfingstgemeinde jeden Abend eine Stunde lang für den Jungen und seine Familie. Bei einer Gemeindegebetswoche am Jahresanfang und bei der Allianzgebetswoche vom 9. bis 16. Januar war die Fürbitte für Mirco und seine Familie ein wichtiges Anliegen. Die Eltern suchten auch in der Zeit der Ungewissheit die Gemeinschaft mit anderen Christen, nahmen an Gottesdiensten und anderen Gemeindeveranstaltungen teil und luden wenige Wochen nach dem Verschwinden ihres Sohnes wieder zu einem regelmäßigen Hauskreis und einem Gebetsabend in ihre Wohnung ein. Mircos drei Geschwister sind Mitglieder der christlichen Pfadfinder „Royal Rangers“, zu denen auch Mirco gehörte. Anteil am Schicksal der Familie nahmen die evangelische und die katholische Gemeinde am Ort; zwei ökumenische Fürbittgottesdienste wurden von jeweils etwa 500 Menschen besucht.

„Hellseher“ und „Propheten“ verunsichern

In der Zeit der Unsicherheit sei die Familie aber auch Verunsicherungen ausgesetzt gewesen. „Da ist mancher, der sich jetzt eigentlich bei den Eltern entschuldigen müsste“, sagte Selent. Irritierend seien Hilfsangebote mancher christlicher „Propheten“ gewesen, die glaubten, den Aufenthaltsort oder das Schicksal des Jungen zu kennen. Solche Nachrichten habe er gefiltert und nicht an die Eltern herangelassen. Zudem habe es reichlich Angebote aus okkulten Kreisen gegeben, das Schicksal des Jungen mit hellseherischen Methoden aufzuklären.

Gute Zusammenarbeit mit der Polizei

Sehr gut sei die Zusammenarbeit mit den Opferschutzbeauftragten der Polizei, die Mircos Eltern regelmäßig besucht und umfassend informiert hätten. Auch seine Gemeinde sei in die Ermittlungen einbezogen worden, sagte Selent: So legten Mitarbeiter der Sonderkommission Unterschriftslisten in einem Gottesdienst aus, in die sich die Besucher eingetragen hätten. Die Gemeinde hätte sich auch entschlossen, auf Nachfrage der Ermittlungsbehörden ihre Mitgliederliste herauszugeben.

Mirco wollte zu Jesus gehören

Die Beziehung zu Jesus Christus sei für Mirco wichtig gewesen, so Selent. Wenige Wochen vor seinem Verschwinden habe er während eines Sommerurlaubs Glaubensgespräche mit seiner Mutter geführt und dabei zum Ausdruck gebracht, dass er zu Jesus gehören wolle. In einem Naherholungsprogramm während der Sommerferien hätten Familienmitglieder an einer Kinderkirche mitgewirkt, bei der es um zentrale Glaubensfragen ging. Die Mutter spielte dabei in einem Theaterstück eine Indianerin, deren Sohn entführt wurde. Es habe einige Ereignisse gegeben, von denen er jetzt sagen könne, dass sie diese schwere Lebenserfahrung vorbereitet hätten, sagte Selent. Nun bereitet die Gemeinde die Trauerfeier für Mirco vor, die Präses Siewert leiten wird. Ein Termin steht noch nicht fest.