21. September 2017

„Mahnruf“ der Altbischöfe von „kirchenhistorischer Bedeutung“

Quelle: idea.de

Der Vorsitzende der theologisch konservativen Vereinigung, Pastor Ulrich Rüß.

Der Vorsitzende der theologisch konservativen Vereinigung, Pastor Ulrich Rüß.

Hamburg (idea) – Ein lebhaftes Echo hat der Offene Brief von acht evangelischen Altbischöfen zum kirchlichen Umgang mit Homosexualität ausgelöst. Sie wenden sich im Zusammenhang mit dem neuen Pfarrdienstgesetz der EKD gegen Bestrebungen, das Pfarramt generell für gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu öffnen.
 

Nach der Bibel müsse man Homosexualität als „widernatürlich und verfassungswidrig“ beurteilen. Die Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands begrüßte die Erklärung als „einen geistlichen Mahnruf von kirchenhistorischer Bedeutung“. Der Aufruf zeige, „in welcher desolater Verfassung die evangelische Kirche ist“. Sie nehme ihre eigene Glaubensgrundlage, die Bibel, nicht mehr ernst und wisse sich „mehr dem ideologischen Zeitgeist als dem Geist Gottes verpflichtet“. Damit säge sich die Kirche „langfristig den Ast ab, auf dem sie sitzt“, erklärte der Vorsitzende der theologisch konservativen Vereinigung, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg). Er hoffe, dass der Mahn- und Weckruf seine Wirkung nicht verfehle und „eine notwendige Neubesinnung besonders bei allen kirchlichen Verantwortungsträgern“ einleite.

Propst: Aufbäumen einer kleinen Minderheit

Scharfe Kritik an den Altbischöfen übte dagegen der Hamburger Propst Horst Gorski. „Sie missverstehen die Bibel, die nichts über homosexuelle Partnerschaften sagt“, sagte der offen homosexuell lebende Theologe gegenüber der Berliner „tageszeitung“ (Ausgabe 14. Januar). Das Votum der Altbischöfe sei in der Kirche ein letztes Aufbäumen einer kleinen Minderheit, die merke, dass sie nicht mehr die Mehrheit habe. Zuvor hatte sich bereits der frühere EKD-Ratsvorsitzende, Altpräses Manfred Kock (Köln), gegen den Offenen Brief gewandt. Die Autoren hätten offensichtlich nicht bedacht, „dass sie mit ihrer Wortwahl wieder den Eindruck erwecken, Homosexuelle seien Menschen zweiter Klasse“. Auf die Dauer würden sich alle Landeskirchen für Pfarrer in homosexuellen Partnerschaften öffnen. „Das wird nicht aufzuhalten sein. Gut so, sage ich“, so Kock gegenüber der „Frankfurter Rundschau“. Unterzeichner des Offenen Briefs sind die Altbischöfe Ulrich Wilckens (Nordelbien), Theo Sorg und Gerhard Maier (beide Württemberg), Werner Leich (Thüringen), Eduard Berger (Pommern), Heinrich Hermanns und Jürgen Johannesdotter (Schaumburg-Lippe) sowie Gerhard Müller (Braunschweig).