20. September 2017

Ist Vielfalt geschlechtlicher Orientierung in Pfarrhäusern eine Bedrohung ?

Quelle: MEDRUM

Dekanat Erlangen will gleichgeschlechtliche Partnerschaften im Pfarrhaus den Gemeindegliedern vermitteln

von Kurt J. Heinz

(MEDRUM) BILDUNG EVANGELISCH Erlangen hat die Empfehlung der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern aufgegriffen, den Beschluss über gleichgeschlechtliche Partnerschaften im Pfarrhaus in den Kirchenkreisen zum Gesprächthema zu machen, und führt am 20. Januar 2011 eine Informationsveranstaltung durch. Die Frage, ob Vielfalt eine Bedrohung ist, steht am Anfang der Veranstaltung. Sie scheint ein Signal dafür zu sein, daß es offenbar darum geht, den Gemeindegliedern den Beschluß des Landeskirchenrates zu vermitteln.

Beschluß des Landeskirchenrates und der Synode

Wie MEDRUM berichtete („Landeskirchenrat setzt biblische Norm für das Leben in Pfarrhäusern außer Kraft“, 16.11.10), traf der Landeskirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern im Juli 2010 die Entscheidung, künftig homosexuellen Partnerschaften ein Zusammenleben im Pfarrhaus zu ermöglichen. Der Landesbischof verteidigte diesen Beschluß mit den Worten, Menschen müssten ihre Homosexualität „friedlich“ und „fröhlich“ leben können. Die Landessynode befasste sich mit dieser Entscheidung bei ihrer Tagung im November in Neu-Ulm und stimmte darin überein, daß das künftige Zusammenleben homosexueller Partnerschaften in den Kirchenkreisen zum Gesprächsthema gemacht werden soll. Gegen die Entscheidung des Landeskirchenrates und die Argumentation von Bischof Friedrich hat sich Protest erhoben. Im Votum für die Zulassung homosexueller Lebensgemeinschaften in Pfarrhäusern sehen Kritiker eine Anpassung kirchenleitender Gremien an den heutigen Zeitgeist, der gegen das biblische Geschlechterethos und das zeitlos gültige Wort Gottes verstößt.

Informationsveranstaltung des Dekanates

Vor diesem Hintergrund will das Dekanat Erlangen jetzt den Beschluß der Synode in einer Veranstaltung zum Thema machen. In der Einladung schreibt BILDUNG EVANGELISCH Erlangen: „Mit dem Beschluss zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaften im Pfarrhaus, wie ihn in die Synode der evangelisch-lutherischen Kirchen in Bayern im November 2010 in Neu-Ulm gefasst hat, war der Wunsch verbunden, dass dieser Beschluss in den Dekanaten vertieft diskutiert werden sollte. BILDUNG EVANGELISCH Erlangen hat diese Idee aufgegriffen und bietet in Kooperation mit den Dekanaten Erlangen und Gräfenberg eine Informationsveranstaltung an.“

Als Programm wird angekündigt:

Pfarrer Dr. Hans Jürgen Luibl, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Evangelische Erwachsenenbildung in Bayern, wird die Teilnehmer begrüßen.

Danach wird Peter Bubmann, Professor für Praktische Theologie (Religions- und Gemeindepädagogik) im Fachbereich Theologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Mitherausgeber des Buches „Christliche Lebenskunst“ in die Veranstaltung einführen. Er spricht zum Thema: „Vielfalt als Bedrohung? Die Diskussion um Lebensformen von Amtsträgern im Kontext gesellschaftlicher Pluralisierung und regressiver Ordnungsphantasien.“

Hieran schließt sich ein Informationsteil „Der Synodenbeschluss“ an, an dem die Synodalinnen aus Erlangen, Dr. Annekathrin Preidel, Frauenbeauftragte des Dekanates Erlangen, und Alexandra Hiersemann, Mitglied der SPD-Landtagsfraktion des Bayerischen Landtags, beteiligt sind. Angefragt ist auch der Synodale Prof. Dr. Andreas Nehring (Theologischer Fachbereich der Friedrich-Alexander-Universität).

Für den Diskussionsteil sind angekündigt mit Positionen:

* Synodaler Paul Schenk, Wirtschaftsingeneur (Gräfenberg), Überlegungen aus dem Ausschuß für Grundfragen des kirchlichen Lebens
* Kirchenrat PD Dr. Wolfgang Schürger, Sprecher des Lesbisch-Schwulen-Konvents und Mitglied des Vereins Ökumenischer Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. sowie Autor der Bücher „Schwule Theologie“ und „Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren“.

Die Veranstaltung soll mit einem Gespräch über die Konsequenzen abschließen. „Wie geht es weiter?“, fragt Dekan Peter Huschke mit einer Stellungnahme zur Situation im Dekanat Erlangen im letzten Teil der Veranstaltung. Huschke gehört zu jenen Vertretern der EKD, die – offenbar ungeachtet des biblischen Ethos – dafür plädieren, nicht über sexuelle Neigungen und Lebensformen anderer Menschen zu urteilen. In seiner Predigt zum Buß- und Bettag forderte er mit den Worten „Wo Du über die sexuellen Neigungen von Menschen und die Gestaltung ihres Zusammenlebens richtest, fällt der Richterspruch auf Dich zurück“ dazu auf, dies zu unterlassen.

Fragen und Erwartungen

Müßte in der Einführung zum Abend statt der Frage „Vielfalt eine Bedrohung?“ nicht die Frage „Was sagt Gottes Wort?“ an den Anfang gestellt werden? Gehört zu einer ernsthaften Auseinandersetzung nicht auch eine kritische Betrachtung der Homosexualität, wie sie beispielsweise in den Überlegungen des Philosophen Robert Spaemann deutlich wird, der Menschen mit homosexueller Orientierung als „unvollständig ausgestattete Wesen“ analysiert? Und übersieht Huschke in seinem Plädoyer für ein Schweigen der Kritik über sexuelle Neigungen und Lebensformen nicht, daß nicht der Mensch, sondern das Wort Gottes über das sexuelle Verhalten des Menschen spricht und klare Vorgaben für die Gestaltung des menschlichen Zusammenlebens macht, die für den Menschen Richtschnur seines Urteils und seines Handelns sein müssen? Von der Veranstaltung und von Huschke, als sprechendem Kompaß für die Weisung des weiteren Weges, dürfte demnach zu erwarten sein, daß mit dieser Veranstaltung die modernistische Linie des Landesbischofs Johannes Friedrich, Pfarrerinnen und Pfarrer ihre Homosexualität „friedlich“ und „fröhlich“ in Pfarrhäusern leben zu lassen, offensiv und mit einer selektiven Argumentation vertreten wird.

Weder die programmatische Ausrichtung noch die Zusammensetzung der bei dieser Veranstaltung auftretenden Redner lassen erkennen, daß ein offener und kritischer Diskurs über den Beschluß des Landeskirchenrates erwartet werden kann. Warum verzichtet das Dekanat Erlangen darauf, etwa Prof. Reinhard Slenczka (Erlangen) als Theologe sprechen zu lassen, der für seine Mahnung, dem Wort Gottes die Treue zu halten, bekannt ist und zu den kompetenten Kritikern der Position des bayerischen Landesbischof Friedrich gehört? Ist dies etwa ein Zeichen dafür, daß die Treue zum Wort Gottes als Bedrohung der eigenen, modernistisch geprägten Vorstellungen über das künftige Leben in Pfarrhäusern gemieden wird? Eine wirklich in die Tiefe gehende Diskussion, die einer anspruchsvollen geistigen und geistlichen Auseinandersetzung gerecht werden will und hohe Erwartungen erfüllen soll, müsste anders angelegt sein.

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Zeit und Ort der Veranstaltung:

Donnerstag, 20. Januar 2011, 19.30 Uhr

Villa an der Schwabach, Hindenburgstrasse 46 A, 91054 Erlangen

Copyright www.medrum.de, Erstveröffentlichung 07.01.2011, URL: http://www.medrum.de/node/7559

MEDRUM-Publikationen zum Themenkreis:

Andreas Späth: Zur Einführung des Homo-Konkubinats in bayerischen Pfarrhäusern

Prof. Hubert Windisch: Eine neue Einheit der Kirche

Prof. Reinhard Slenczka: Zum Beschluss über gleichgeschlechtliche Partnerschaften in bayerischen Pfarrhäusern

Klaus Baschang (OKR i.R.): → Bayern steigt ab

„Unvollständig ausgestattete Wesen“

Literaturhinweise

idea-dokumentation-kirche-homosexualitaet-und-politik