11. Dezember 2017

„HOMO-EHE“ IM PFARRHAUS – Stimmen der Gegner mehren sich

Quelle: idea.de

Hamburg/Nürnberg/Stuttgart (idea) – In der Debatte um das Zusammenleben homosexueller Partner im Pfarrhaus mehren sich die Stimmen der Kritiker. Jetzt hat erstmals einer der höchsten Repräsentanten der evangelischen Kirche Verständnis für Kritik an der Homo-Ehe gezeigt.
 

„Die Bibel verurteilt praktizierte Homosexualität ohne Ausnahme“, erklärte der Vizepräses der EKD-Synode, der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU), in einem Interview mit der Beilage „Christ & Welt“ der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Hamburg). Daher sei es für ihn „schwierig, dass in evangelischen Pfarrhäusern homosexuelle Partnerschaften gelebt werden“. Er könne den Protest von acht evangelischen Altbischöfen gegen eine solche Regelung nachempfinden. Sie haben durch einen Offenen Brief an die 22 evangelischen Landeskirchen eine neue Debatte über Homosexualität ausgelöst. In dem Schreiben protestieren sie gegen die generelle Öffnung des Pfarrberufs für Homosexuelle in eingetragenen Lebensgemeinschaften. Das entsprechende Pfarrdienstgesetz, das in Paragraf 39 eine solche Regelung prinzipiell ermöglicht – vorausgesetzt, die jeweilige Landeskirche stimmt zu – war im November bei der EKD-Synode in Hannover einstimmig verabschiedet worden. Beckstein hatte dem Gesetz trotz Bedenken zugestimmt. Es sei als Kompromiss nach schwierigen Debatten zustande gekommen. Er habe eingewilligt, weil die evangelische Kirche trotz der Reform am Leitbild von Ehe und Familie festhalte: „Auch der homosexuelle Pfarrer und die lesbische Pfarrerin müssen die Familie in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen.“

EKD schlägt „Sonderweg“ ein

Zugleich räumte er ein, dass die evangelische Kirche mit ihrer Position sowohl in der Ökumene als auch unter protestantischen Kirchen „einen Sonderweg“ einschlage. So sei die Entscheidung bei Katholiken, Orthodoxen und afrikanischen Lutheranern auf scharfen Widerspruch gestoßen. Beckstein: „Lutherische Bischöfe aus Tansania haben uns einen zornbebenden, mit Schaum vor dem Mund formulierten Widerspruch geschickt.“ Die mit 5,3 Millionen Mitgliedern größte lutherische Kirche Afrikas lehne die Position der EKD strikt ab. Homosexualität ist derzeit eines der größten Streitthemen zwischen den Kirchen. Wegen der Weihe homosexueller Geistlicher waren drei frühere anglikanische Bischöfe am 15. Januar zur katholischen Kirche übergetreten.

Initiativkreis sammelt Unterschriften

Gegen ein Öffnung des Pfarramts für Theologen in einer homosexuellen Partnerschaft wendet sich auch ein „Initiativkreis Evangelisches Kirchenprofil“. Die Verantwortlichen – Theologen, Juristen und Mediziner – hatten sich am 12. Januar in Karlsruhe mit einer entsprechenden Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt. Der Kreis hat nach eigenen Angaben zahlreiche zustimmende Reaktionen erhalten. Wie Mitinitiator Kirchenrat i.R. Hans Lachenmann (Satteldorf bei Crailsheim) gegenüber idea sagte, belaste das Problem schon viele Jahre die Kirche und die ökumenische Gemeinschaft. Mit der Verabschiedung des neuen Pfarrdienstgesetzes sei ein Punkt erreicht, „an dem man nicht mehr schweigen kann“. Der württembergische Oberkirchenrat Ulrich Heckel (Stuttgart) habe bereits auf ein Schreiben der Initiative reagiert und versichert, dass die württembergische Landeskirche die Bedenken des Initiativkreises sehr ernst nehme und versuche, sie in den Beratungsprozess in der EKD einzubringen. Der „Initiativkreis Evangelisches Kirchenprofil“ sammelt Unterschriften auf mehr als 5.000 Listen und im Internet (www.medrum.de/node/7600). Erste Zahlen sollen Anfang Februar genannt werden. Zu den Initiatoren gehören Oberkirchenrat i.R. Klaus Baschang (Karlsruhe), Rechtsanwalt Christian Hausen (Neumünster) und der Professor für experimentelle Chirurgie, Rainer Nobiling (Heidelberg).