13. Dezember 2017

Dokumentation: Die Akte Gysi

Gysi hatte beste Kontakte ins ZK der SED und auch zur Staatssicherheit. Foto: Pino Madeo / pixelio.de

Gysi hatte beste Kontakte ins ZK der SED und auch zur Staatssicherheit. Foto: Pino Madeo / pixelio.de

Silke König und Hans-Jürgen Börner haben über den Links-Politiker Gregor Gysi einen Dokumentationsfilm gedreht, der am 20. Januar um 23.30 Uhr im Ersten Deutschen Fernsehen (ARD) ausgestrahlt wird. In der Ankündigung heißt es:
 

„Gregor Gysi kennen alle. Denn er spielt viele Rollen: als charismatischer Politiker, als Stimme der Linkspartei und als gern gesehener Talkshow-Gast, egal zu welchem Thema. Seine Marken- zeichen: emotionale Empörung, populistische Parolen.

Die mediale und politische Omnipräsenz provoziert aber immer wieder eine Frage: Gibt es einen anderen Gysi, einen, der früher mit der DDR-Stasi gekungelt hat? Er bestreitet das energisch, seine Anwälte versorgen allzu wissbegierige Journalisten mit entsprechenden Schriftsätzen und Gerichtsprozessen…

Der Film zeigt die Biographie eines Mannes im Spannungsfeld von inszenierten Auftritten und bedrückenden Stasi-Akten… Original-Akten, die über das Wirken des Rechtsanwalts Gysi, seine Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit Auskunft geben könnten, wurden nach der Wende offenbar größtenteils vernichtet…

Aber in den Akten seiner ehemaligen Mandanten finden sich die Kopien von Stasi-Berichten. Diese Akten beweisen, dass Gysi mehr war als nur ein Anwalt, dass ihm die Staatsräson oft wichtiger war als das Schicksal seiner Mandanten. Und dass Gysi nicht nur mit dem ZK der SED, sondern auch mit der Stasi geredet hat, wenn es darum ging, der Einheitspartei der DDR einen Dienst zu erweisen.

Der Film berichtet u. a. über die Tragödie eines Vaters, dessen Sohn von der Stasi ermordet wurde. Vom Schicksal der Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld, ihren quälenden Stunden in Untersuchungshaft. Vom Schriftsteller Lutz Rathenow, dessen Unterhaltung auf einem Empfang belauscht wurden. Und von dem Berliner Künstler Thomas Klingenstein, dessen Gesprächsinhalte einer Autofahrt bei der Stasi landeten. Viele Schicksale, aber immer eine Hauptperson: Gregor Gysi. Viele Opfer, die vor der Kamera reden. Und einer, der lieber schweigt: Gregor Gysi.“

Bleibt abzuwarten, ob dieser Film mehr Licht ins Dunkel des DDR-Rechtsanwaltes Gregor Gysi bringt oder ob die Dokumentaion eher zur Aufwertung seiner Person dienen soll. (Thomas Schneider)