19. September 2017

Der Anschlag auf koptische Christen blamiert Beschwichtiger

Quelle: jungefreiheit.de

Koptisches Kreuz in Kairo mit dem arabischen Schriftzug „Allah“: Das Christentum soll nicht nur in Nahost ausgerottet werden Foto: Flickr/kudomomo

Koptisches Kreuz in Kairo mit dem arabischen Schriftzug „Allah“: Das Christentum soll nicht nur in Nahost ausgerottet werden Foto: Flickr/kudomomo

Von Jürgen Liminski
 

Unter den Reisezielen der Deutschen liegt Ägypten an vorderer Stelle. Schnäppchen zum Paradies – so preisen manche Agenturen das Land der Pharaonen und der traumhaften Strände an. Für die Kopten wird es zum Land der Hölle. Rund sieben Prozent der 70 Millionen Ägypter sind koptische Christen. Sie haben ihre Blütezeit längst hinter sich und kämpfen ums Überleben und die Überbleibsel ihrer früheren Freiheit. Immer wieder kommt es zu Entführungen junger Christinnen, zu Anschlägen und jetzt ganz offen zur Verfolgung aus dem einzigen Grund, daß es sich um Christen handelt. Dieser Grund ist ortsunabhängig.

Der Logos, „das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“, heißt es im Neuen Testament. Diese Wohnung lag in den ersten Jahrhunderten vor allem in Nahost. Dann kam der Islam. Er vernichtete blühende Gemeinden und Kulturen bis auf die heutigen Reste. Fast im gesamten Vorderen und Mittleren Orient wurden Christen im letzten Jahrhundert zu Bürgern zweiter und dritter Klasse – und zu der am meisten verfolgten und vertriebenen religiösen Minderheit. Historiker schätzen die Zahl der Vertriebenen auf rund zehn Millionen, ein Vielfaches der geflüchteten muslimischen Palästinenser oder der aus islamischen Ländern vertriebenen Juden.

Der Nahe Osten soll „christenrein“ werden

Dieser Exodus setzt sich fort. Er ist das Ziel der Islamisten: Der Nahe Osten soll „christenrein“ werden. Geht es so weiter, wird die Zahl der Christen in der Region bis zum Jahr 2020 von heute 15 Millionen auf sechs bis sieben geschrumpft sein. Zur Zeit haben es die radikalen Muslime auf die Kopten in Ägypten und die Chaldäer im Irak abgesehen. Die Staatsgewalten sind entweder nicht in der Lage oder nicht willens, diese Minderheiten zu schützen. Die Wut der Kopten, die sich in den letzten Tagen gegen die Polizei auf der Straße entlud, war Ausbruch einer seit Jahren aufgestauten Wut der Ohnmacht angesichts der Gleichgültigkeit der (islamischen) Behörden gegenüber dem Schicksal der Christen.

Diese Gleichgültigkeit war auch in Europa zu beobachten. Niemand im politischen Establishment nahm in den letzten Jahren laut vernehmlich Notiz von der schleichenden Auszehrung der Region bis hin zu offenen Verfolgung der Christen. Man wollte den europäisch-islamischen Dialog nicht stören oder war mit seinen eigenen ideologischen Zielen, die alles andere als christlich waren und sind, so beschäftigt, daß man sich nicht um diese Minderheiten kümmern wollte. Heute zerplatzt die Seifenblase des Dialogs wie in Zeitlupe – manche Politiker und Journalisten haben es immer noch nicht gemerkt –, und auch die Hirngespinste der Ideologen toben sich demographisch erlahmend aber immer noch blind auf den längst zertrampelten Schlachtfeldern der Ideen in Europa aus.

In den Bevölkerungen des alten Kontinents aber kommt langsam die Ahnung auf, daß Toleranz nicht Gleichgültigkeit bedeuten kann angesichts einer aggressiven religiösen Ideologie, zu deren Kernbestand der Dschihad, die Eroberung und Unterwerfung nichtmuslimischer Gebiete und Köpfe gehört. Man muß es leider immer wieder sagen: Religionsfreiheit, wie wir sie verstehen, gibt es im Islam nicht. Und deshalb kann es auch in unseren Breitengraden durchaus zu gewaltsamen Aktionen und Anschlägen von Islamisten gegen christliche Symbole wie den Kölner Dom oder auf Minderheiten wie die Kopten kommen. Gerade jetzt zum Weihnachtsfest der Orthodoxen ist deshalb erhöhte Wachsamkeit geboten.

Die Christen sind weltweit seit Jahren die am schärfsten verfolgten Gläubigen. Das gilt nicht nur für totalitäre kommunistische Regime wie Nordkorea, China oder Kuba. Es gilt eben vor allem auch für islamische Länder. Vor diesem Hintergrund gibt die jüngste Diskussion im Bundestag ein verzerrtes Bild. Grüne und Linke warnen vor Islamfeindlichkeit in Deutschland und wollen den Islam mit dem Christentum gleichsetzen.

Christenfeindlichkeit unter dem Deckmantel der Toleranz

Das ist beim Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir noch verständlich, weil er selber Muslim ist. Aber auch, wenn er einen moderaten Islam vertritt, so ist das weltweit gesehen eine Einzelstimme. Bei seinem Parteifreund Christian Ströbele und bei der Linkspartei handelt es sich schlicht um Christenfeindlichkeit. Toleranz gilt nur, solange man gleich denkt. Ströbeles Toleranz zeigt sich daran, daß er bei einer Rede des Papstes im Bundestag das Hohe Haus verlassen will. Seine Gleichschaltung der Religionen und des Denkens hat totalitäre Züge.

Die Christenverfolgung mag in vielen Einzelfällen auch lokale oder regionale sowie ethnische und soziale Ursachen haben. Auffallend aber ist schon, daß islamische und totalitäre Grundmuster in Sachen Christentum so deckungsgleich vorherrschen. Es bestätigt die Vermutung, daß es sich beim Islam auch um eine im Grunde totalitäre Religion handelt. Das zu sagen, ist aber in Europa politisch unkorrekt. Wer es dennoch tut, lebt gefährlich, ja in Todesgefahr – was die Vermutung wiederum bestätigt. Man denke nur an die Andeutung des Papstes in seiner Regensburger Rede und die Folgen dieser Rede in den islamischen Ländern. Diese Tatsachen sollten die verständnisvollen Gutmenschen hierzulande wenigstens daran erinnern, die Kirche im – globalen – Dorf zu lassen. Religionsfreiheit ja, aber bitte für alle!

(JF 02/11)