22. September 2017

Christenverfolgung setzt sich fort

Quelle: idea.de

Blutige Überfälle in Ägypten und Nigeria – Inhaftierungen in Eritrea und Iran. Foto: wikipedia

Blutige Überfälle in Ägypten und Nigeria – Inhaftierungen in Eritrea und Iran. Foto: wikipedia

Kairo/Jos/Asmara/Teheran (idea) – Anschläge auf Christen, blutige Auseinandersetzungen mit Muslimen und Verhaftungen aus Glaubensgründen halten in mehreren Ländern an.
 

In Ägypten und Nigeria fielen seit Jahresbeginn über 30 Personen der Gewalt zum Opfer. In Eritrea und im Iran setzte sich die Verfolgungswelle fort. Nach dem weltweit beachteten Selbstmordattentat mit 23 Toten und fast 100 Verletzten in der Neujahrsnacht vor einer koptisch-orthodoxen Kirche im nordägyptischen Alexandria ist am 11. Januar ein Kopte in Oberägypten gezielt wegen seines Glaubens erschossen worden; fünf weitere Christen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Bluttat ereignete sich in einem Zug in der Provinz Minya, etwa 250 Kilometer südlich von Kairo. Nach Augenzeugenberichten bestieg der Täter – ein Polizist außer Dienst – in Samalout den Zug und ging durch die Wagen. Dabei habe er nach Kreuz-Tätowierungen Ausschau gehalten, die viele koptisch-orthodoxe Christen am Handgelenk tragen. Er habe muslimische Gebete rezitiert und „Allahu Akhbar“ (Allah ist groß) gerufen. Dann habe er das Feuer auf den 71-järhigen Fathy Ghattas eröffnet. Dessen Ehefrau sowie vier weitere Kopten seien schwer verletzt worden. Drei mussten mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus nach Kairo geflogen werden. Bahnpassagiere überwältigen des Todesschützen namens Amer Ashour Abdel-Zaher und übergaben ihn der Polizei. Von den rund 83 Millionen Einwohnern Ägyptens sind 87 Prozent Muslime und zehn Prozent orthodoxe Kopten. Außerdem gibt es kleinere Gruppen von Katholiken und Protestanten.

38 Tote in Nigeria

In Zentralnigeria sind bei religiös motivierten Zusammenstößen Anfang des Jahres mindestens 38 Christen und Muslime getötet worden. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) appellierte an die Regierung, die Täter zu ermitteln und vor Gericht zu stellen. Nur so könne die Gewalt wirksam eingedämmt werden. Die meisten Morde ereigneten sich im Umkreis der Stadt Jos (Bundesstaat Plateau). Bewaffnete Muslime vom Stamm der Fulani griffen am 11. Januar mit Gewehren und Macheten die christlichen Bewohner des Dorfs Kuru Wareng an. Unter den 13 Opfern waren auch Frauen und Kinder. Am selben Tag gab es in der Ortschaft Barakin Ladi fünf Tote. Am 10. Januar wurden sieben Muslime bei Zusammenstößen mit Christen getötet. Am 9. Januar wurde in der Stadt Maiduguri ein Polizist erschossen, der eine Kirche bewachte. In Jos wurden zuvor vier Menschen getötet, darunter ein Christ. Junge Christen brachten am 7. Januar bei einem Überfall auf ein Auto mit Hochzeitsgästen sieben Muslime um. Bei einem Vergeltungsakt kam ein Christ ums Leben. Seit Weihnachten sind in Nigeria mindestens 120 Menschen aus religiösen Gründen getötet worden. Zu einem Teil der Anschläge hat sich die radikal-muslimische Gruppe Boko Haram bekannt. Sie will das islamische Religionsgesetz im ganzen Land durchsetzen. Es gilt bereits in zwölf der 36 Bundesstaaten. Von den 140 Millionen Einwohnern Nigerias sind knapp 49 Prozent Christen, 45 Prozent Muslime und der Rest Anhänger von Naturreligionen.

Eritrea: Junge Christin stirbt in Haft

In Eritrea ist eine 27-jährige Christin in Militärhaft an unbehandelter Malaria gestorben. Seble Hagos Mebrahtu soll auch misshandelt worden sein, berichtet das Hilfswerk Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main). Wie lange sie in Haft war, sei nicht bekannt. Sie sei festgenommen worden, weil man sie beim Bibellesen erwischt habe. Am 2. Januar waren bereits 30 Teilnehmer einer Gebetsversammlung in der Hauptstadt Asmara und ein weiterer Christ am 4. Januar verhaftet worden. In dem nordostafrikanischen Land werden viele Christen als Staatsfeinde verfolgt. Rund 2.200 sind unter teilweise unmenschlichen Bedingungen eingesperrt. Vor allem handelt es sich um Evangelikale und Katholiken, die von dem Ein-Parteien-Staat nicht anerkannt werden. Seit dem Jahr 2002 sind nur die orthodoxe und die katholische Kirche sowie die Lutheraner und der sunnitische Islam anerkannt. Von den rund fünf Millionen Einwohnern des Landes sind 44 Prozent Christen und 47 Prozent Muslime; der Rest gehört Naturreligionen an.

Welt-Allianz verurteilt Festnahmen von Christen im Iran

Gegen die Festnahme von Christen im Iran protestiert der Direktor der Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz, Godfrey Yogarajah (Colombo/Sri Lanka). Seit Weihnachten seien Sicherheitskräfte in Häuser von Christen muslimischer Herkunft eingedrungen. Sie hätten mindestens 40 festgenommen und verhört. Meist handele es sich um missionarisch aktive Christen. Yogarajah bezeichnete die Übergriffe als völlig unverständlich. Schiiten – Angehörige der vorherrschenden islamischen Richtung im Iran – würden in sunnitisch geprägten Ländern wie Pakistan selbst verfolgt. Die iranischen Behörden ahmten jetzt diese Extremisten nach. Revolutionsführer Khamenei hatte vor drei Monaten in der Stadt Ghom seine Sorge über Christen geäußert, die von Haus zu Haus gingen und Muslime ansprächen. Im Iran steht sowohl auf den Abfall vom Islam als auch auf nicht-islamische Mission für Männer die Todesstrafe. Frauen können mit lebenslanger Haft und täglichen Auspeitschungen bestraft werden. Von den 74,2 Millionen Einwohnern Irans sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Konvertiten zum christlichen Glauben wird auf 250.000 geschätzt. Ferner gibt es bis zu 150.000 meist orthodoxe armenische und assyrische Christen.