21. September 2017

Wo bleibt Luther in der Kirche?

Quelle: idea.de

Der Vorsitzende der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Nordelbien, Pastor Ulrich Rüß.

Der Vorsitzende der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Nordelbien, Pastor Ulrich Rüß.

Neumünster (idea) – Der Reformator Martin Luther (1483-1546) hätte heute selbst in lutherischen Kirchen einen schweren Stand. Diese Vermutung brachte der Vorsitzende der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Nordelbien, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), gegenüber idea zum Ausdruck.
 

Er beobachte, dass die Lehren des Reformators „entkernt“ und dem Zeitgeist angepasst würden. So werde die Lehre von den „zwei Reichen“ kaum noch beachtet. Vielmehr mehrten sich politische Erklärungen und Forderungen, die sich am Geist der Zeit orientieren. Die Kirche sei aber eine Kontrastgesellschaft. Viele Menschen warteten auf die Botschaft, welche innere Freiheit das Evangelium bringe. Darum sei es wichtig, am lutherischen Bekenntnis und am reformatorischen Prinzip „Sola Scriptura“ (Allein die Schrift) festzuhalten. Auf ihrer Herbsttagung, die Anfang Dezember in Neumünster stattfand, brachte die theologisch konservative Vereinigung ihre Sorge zum Ausdruck, dass die lutherische Prägung bei der Bildung der Nordkirche verloren gehen könnte. In Anwesenheit des nordelbischen Bischofs Gerhard Ulrich (Schleswig) zeigte sich Rüß zunächst beruhigt darüber, dass der Kirchenname nach jetzigem Stand „Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland“ lauten wird. Ulrich bot der Sammlung Gespräche über das Verständnis und die Auslegung der Bibel an. Auch das Bekenntnis müsse immer neu gedeutet werden. Damit traf er bei den Tagungsteilnehmern auf Widerspruch. Die Sammlung ist mit über 1.000 Mitgliedern die stärkste kirchliche Gruppe von Theologen und Laien in der Nordelbischen Kirche. Die „Nordkirche“ soll Pfingsten 2012 aus den Kirchen Nordelbiens, Mecklenburgs und Pommerns entstehen. Sie hätte nach heutigem Stand 2,3 Millionen Mitglieder, wobei Nordelbien mit zwei Millionen den Löwenanteil stellt. Die mecklenburgische Kirche zählt knapp 200.000 und die pommersche gut 96.000 Mitglieder. Im Unterschied zu den lutherisch geprägten Kirchen gehört Pommern auch der Union Evangelischer Kirchen (UEK) an. Die fusionierte Kirche soll sowohl in der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) wie auch in der UEK vertreten sein.