22. September 2017

Pakistan: Islamische Extremisten wollen Christin umbringen

Quelle: idea.de

Ein Imam hat ein Kopfgeld auf Asia Bibi ausgesetzt. Foto: PR

Ein Imam hat ein Kopfgeld auf Asia Bibi ausgesetzt. Foto: PR

Islamabad (idea) – In Pakistan haben sich die Todesdrohungen gegen eine wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilten Christin verschärft.
 

Nachdem bereits islamische Extremisten mit der Ermordung der 45-jährigen Asia Bibi gedroht hatten, hat ein Imam eine Kopfprämie von umgerechnet 4.870 Euro für ihre Tötung ausgesetzt. Pakistans Minderheitenminister Shahbaz Bhatti verurteilte den Mordaufruf scharf. Der Christ hält Bibi für unschuldig und unterstützt ein Gnadengesuch an Staatspräsident Asif Ali Zardari. Das Oberste Gericht hat jedoch eine Begnadigung untersagt, solange der Fall nicht abgeschlossen sei. Bibis Verteidiger fechten das Todesurteil juristisch an, das am 8. November in Lahore aufgrund des Blasphemiegesetzes ergangen war. Weil ihr Leben auch hinter Gittern in Gefahr war, wurde sie Ende November aus dem Gefängnis von Sheikupura entlassen. Sie hält sich nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) mit ihrem Ehemann Ashiq Masih, einem Ziegelarbeiter, und den beiden 11 und 13 Jahre alten Töchtern im Untergrund auf. Der Fall hat internationales Aufsehen erregt; unter anderem hat sich Papst Benedikt XVI. für ihre Freilassung eingesetzt. Beim Freitagsgebet am 3. Dezember rief Imam Maulana Yousuf Qureshi in Peshawar zur Ermordung Bibis auf. Hunderttausende Mujaheddin und Taliban seien bereit, ihr Leben für die Ehre Mohammeds zu opfern, sagte er nach Angaben der Gesamtpakistanischen Minderheiten-Allianz; jeder von diesen Muslimen – so Qureshi – könne Bibis Leben ein Ende bereiten. Der Imam warnte auch die pakistanische Regierung, das seit 1991 bestehende Blasphemiegesetz abzuschaffen, das die Beleidigung des Islam, des Koran und des Propheten Mohammed unter Strafe stellt. Ein Todesurteil wurde bisher nicht vollstreckt, doch wurden über 650 Christen wegen eines oft unbegründeten Verdachts angeklagt. In Pakistan ist der Islam Staatsreligion.

Bibi war „Gefangene des Monats“

Die in einer Obstplantage beschäftigte Tagelöhnerin Bibi war am 19. Juni 2009 im Dorf Itanwali, 75 Kilometer westlich von Lahore, verhaftet worden. Sie wurde von Arbeitskolleginnen beschuldigt, den Islam beleidigt zu haben. Auslöser war ein Streit um Wasser. Bibi hatte auf Geheiß eines Landwirts das Nass für die Feldarbeiterinnen geschöpft. Diese weigerten sich jedoch zu trinken, weil das Gefäß von einer Christin berührt und damit „unrein“ geworden sei. Später wurde sie von aufgebrachten Muslimen überfallen und zu einer Moschee geschleppt. Dort sollte sie ihrem Glauben abschwören. Als sie sich weigerte, wurde sie geschlagen und vergewaltigt, bevor man sie der Polizei übergab. Im Oktober 2009 benannten die IGFM und die Evangelische Nachrichtenagentur idea Bibi als „Gefangene des Monats“ und riefen zur Unterstützung für sie auf. Von den 173 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen, zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen. Von den Christen sind etwa zwei Millionen Protestanten, eine Million Katholiken und 600.000 Mitglieder orthodoxer oder unabhängiger Kirchen.