16. Dezember 2017

Landessynodalpräsidentin für Freiheit der Bibelinterpretation

Quelle: medrum.de

Dorothea Deneke-Stoll weist Kritik an Zulassung homosexueller Partnerschaften in Pfarrhäusern als stillos und unangemessen zurück. Kirchenaustritte halten Landesbischof Friedrich und die Synodalpräsidentin für „unbegründet“ und „respektlos“.

von Kurt J. Heinz

(MEDRUM) Die Präsidentin der Landessynode der «Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern», Dorothea Deneke-Stoll, hat die Kritik am Beschluß, künftig homosexuelle Partnerschaften in Pfarrhäuser einziehen zu lassen, entschieden zurückgewiesen. Im «Evangelischen Sonntagsblatt Bayern» fordert sie Respekt vor denen, die die Bibel im Lichte der heutigen Zeit anders interpretieren und erwartet Gefolgschaft der Kirchenmitglieder gegenüber der Kirchenleitung.

In einem Beitrag für das «Evangelische Sonntagsblatt Bayern» (12.12.10) plädiert die Ingostädter Richterin Dorothea Deneke-Stoll, die 2008 mit knapper Mehrheit für sechs Jahre an die Spitze der bayerischen evangelischen Landesynode gewählt wurde, dafür, homosexuelle Lebensgemeinschaften in Pfarrhäusern zuzulassen. Wie Landesbischof Johannes Friedrich zuvor hat sich auch Deneke-Stoll dafür ausgesprochen, die Bibel heute anders auszulegen als es bisher geschehen ist. Friedrich hatte verkündet, in Fragen homosexueller Lebensweisen seien nicht die „Denkkategorien von Paulus“, sondern das „Gesamtzeugnis der Bibel“ maßgebend. Für die Synodalpräsidentin geht es beim Thema «homosexuelle Lebensgemeinschaften in Pfarrhäusern» um die Frage nach der „Deutung von Schrift und Bekenntnis im historischen Kontext“ und den Umgang mit der „Freiheit des Christenmenschen“, die erlernt werden müsse.

Die Kritik an der Entscheidung des Landeskirchenrates weist die Juristin zurück. Die Feststellung, diese Entscheidung sei unchristlich oder unbiblisch, legitimiere eine sündhafte Lebensform und folge nur dem Zeitgeist, hält Deneke-Stoll für „stillos“ und „unangemessen“. Sie gesteht den Kritikern, die sich auf die ablehnenden Aussagen der Bibel berufen, nicht die Freiheit einer Gewissensentscheidung zu, ihre Mitgliedschaft in der Kirche zu beenden, sondern sieht die Ankündigung von Kirchenaustritten als Drohung und hält sie für „respektlos“. Vielmehr erwartet Deneke-Stoll, daß die Entscheidung des Landeskirchenrates „pro Homo-Partnerschaften“ hingenommen und dem Landeskirchenrat Gefolgschaft erwiesen wird. Mit der Frage „Wo bleibt der Respekt vor Andersdenkenden?“ bringt Deneke-Stoll diese Erwartung im Sonntagsblatt zum Ausdruck.

Mit dieser Haltung liegt Deneke-Stoll auf derselben Linie wie Landesbischof Friedrich, der ebenfalls keinen Grund für Kirchenaustritte sieht. Auch Friedrich hatte im Interview mit dem Evangelischen Sonntagsblatt die Position vertreten, einen Kirchenaustritt halte er für unbegründet. Der Bischof will dies nicht an der veränderten Haltung der Kirchenleitung in der Grundsatzfrage der „Zulassung homosexeller Lebensgemeinschaften in Pfarrhäusern“, sondern an der Zahl homosexueller Partnerschaften festmachen, die in bayerischen Pfarrhäusern leben sollen. Friedrich dazu: „Ich kann nicht verstehen, wenn jemand austreten will, weil fünf verpartnerte Paare die Möglichkeit erhalten, dort ins Pfarrhaus zu ziehen.“ In gleicher Weise beschwichtigt Deneke-Stoll: „Ganze fünf Fälle solcher Partnerschaften sind in der Landeskirche bekannt. Angesichts dieser überschaubaren Zahl hätte man erwarten können, dass -… die ganze Angelegenheit aber nicht »zu hoch gehängt wird«“.

Aus den Stellungnahmen der Synodalpräsidentin und des Landesbischofs wird deutlich, daß ihnen die zum Teil massive Kritik an ihren Positionen ungelegen kommt. Beide betonen, sie hätten viele kritische Reaktionen erhalten. Deneke-Stoll spricht von „unzähligen“ Protestbriefen und Mails, die sie bereits vor der Tagung der Landessynode erhalten habe. Friedrich bezeichnete eine ihm zugegangene Kritik, Homophile könnten miteinander weder Leben zeugen noch es weitertragen und seien Sendboten des Todes als „Beschimpfung“. Auch Deneke-Stoll weist Kritik in ähnlicher Weise zurück. Für die Synodalpräsidentin ist es eine Diffamierung, wenn der Versuch, die Bibelaussagen zur Homosexualität heute so zu interpretieren, daß homosexuelle Lebensweisen nicht mehr als sündhaft angesehen werden müssen, als „unchristlich“ beurteilt wird.

Wie MEDRUM berichtete (13.12.10), hält der Protest gegen die Beschlüsse des Landeskirchenrates und der Landessynode an. Kritiker sehen wegen der Forderung nach einer neuen Deutung der Bibel die Pflicht zum Widerstand der lutherischen Kirche gegen eine bischöfliche Irrlehre.

Bis Mai 2011 wollen die Landessynode und der Landesbischof Gesprächskreise in den Kirchenkreisen anbieten, mit denen die Wogen der Kritik aufgefangen werden sollen. Landesbischof Friedrich hatte zuvor die große Zustimmung der Landessynode «pro Homo-Partnerschaft» mit der Feststellung kommentiert: „Vom Ergebnis her ist es das, was ich mir gewünscht habe.“ Friedrich tritt dafür ein, daß homosexuelle Pfarrerinnen und Pfarrer homosexuelle Partnerschaften „friedlich und fröhlich“ leben können.

Copyright Kurt J. Heinz, 15.12.2010

Erstveröffentlichung in www.medrum.de, URL: http://www.medrum.de/node/7301

‚Weitere MEDRUM-Arikel zum Themenkreis

Pflicht zum Widerstand der lutherischen Kirche gegen bischöfliche Irrlehre

Pfarrer müssen ihre Homosexualität friedlich und fröhlich leben können

Evangelische Christen empört über Pfarrdienstgesetz und EKD

Eine neue Einheit der Kirche